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Köln: Contergangeschädigte fordern Aufstockung von Opfergeld

Köln : Contergangeschädigte fordern Aufstockung von Opfergeld

Der Interessenverband Contergangeschädigter in NRW hat mehr Unterstützung für die Betroffenen angemahnt. Nötig sei eine Angleichung des Opfergeldes auf europäisches Niveau, sagte Vorsitzende Maria Bergner-Willig am Sonntag in Köln dem epd.

Die gezahlten Opferrenten in Höhe von 108 bis 545 Euro können nach Ansicht des Verbandes die Selbstständigkeit der rund 2800 Contergangeschädigten in Deutschland nicht sichern. In Großbritannien erhielten die Opfer im Durchschnitt rund 1500 Euro, erläuterte Bergner-Willig.

Es sei ein Skandal, dass sich die Herstellerfirma Grünenthal in den siebziger Jahren mit der Einzahlung von rund 100 Millionen Mark in eine Stiftung von seiner Verantwortung gegenüber den Geschädigten freigekauft habe, erklärte Bergner-Willig weiter. „Dieses Geld aus der Stiftung ist längst verbraucht, nur der Bund zahlt noch unsere Renten”, kritisierte sie.

Mit einem Aktionstag in Köln unter dem Motto „Ich bin dabei gewesen 1957-2007” stellte der Verband am Wochenende die Situation der Betroffenen 50 Jahre nach der Markteinführung des Schlafmittels Contergan in den Mittelpunkt. Der Verband forderte außerdem für eine Gleichbehandlung von Contergangeschädigten und anderen behinderten Menschen.

So erhielten Contergan-Opfer in der Regel keine Berechtigung für Behindertenparkplätze, so lange sie nicht im Rollstuhl sitzen würden, erklärte Bergner-Willig weiter. Außerdem müsse es mehr Hilfen zur Mobilität geben, wie etwa Zuschüsse für ein Auto. Die Fortbewegung mit einem Auto sei für viele Betroffene die einzige Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen.

Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit erhielten bislang nur Contergangeschädigte, die auch einen Arbeitsplatz haben. Opfer, die wegen ihrer Behinderung nicht mehr arbeiten könnten, erhielten dagegen keine Zuzahlungen, kritisierte Bergner-Willig.

Sie könnten jedoch oftmals nicht mehr öffentliche Verkehrsmitteln benutzen. Nach Angaben des Verbandes leben rund 900 Contergangeschädigte in NRW. An dem Aktionstag in Köln nahmen den Angaben insgesamt rund 200 Besucher teil, davon mehr als 100 Contergangeschädigte.