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Computer fast nur als Spielzeug genutzt

Computer fast nur als Spielzeug genutzt

Aachen (an-o) - Vielen Jugendlichen fällt nichts anderes mehr ein als Computer spielen - und manche Eltern verzweifeln darüber. Ein kompetenterer Umgang mit Maus und Joystick wird in den Schulen allerdings kaum angeboten. Auch das hat Pisa festgestellt.

Die zweite Pisa-Zusatzauswertung ("Pisa 3") enthält weniger spektakuläre, dennoch erhellende Einschätzungen zur Frage, wie zeitgemäß die deutsche Schule ist. Das Anliegen des internationalen Schüler-Vergleichsprogramms ist es ja, die "grundlegenden Kompetenzen der nachwachsenden Generation" für die Bewältigung der Aufgaben zu erfassen, die in jeder modernen (Wirtschafts-) Gesellschaft an sie gestellt werden. Die sich daraus ergebende Aufgabe von Pisa ist es, den Regierungen regelmäßig Daten zur Verfügung zu stellen, "die zur Verbesserung der nationalen Bildungssysteme brauchbar sind".

Das Interesse ist groß

Die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationssysteme, sprich Computer, gehört heute ohne Zweifel zu jenen Basis-Kompetenzen, die man Schülern mit auf den Weg ins Berufsleben zu geben hat. Aber auch in dieser Hinsicht sieht es in deutschen Landen relativ mau, wie auch etwas paradox aus. Pisa ermittelte nämlich, dass die 15-jährigen Jugendlichen in Deutschland ein "weit über dem Durchschnitt der übrigen Länder" liegendes Interesse am Umgang mit dem Computer haben. In der Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten am Computer aber liegen die Deutschen auf dem vorletzten Platz. Wie das?

Pisa gibt eine zumindest plausible Antwort: "Diese Diskrepanz kann darauf zurückgeführt werden, dass der Computer zum weitaus überwiegenden Teil zu Hause genutzt wird und dort vor allem die Funktion eines Spielzeugs erfüllt. Die kompetenzförderliche Nutzung des Computers als Lernmedium oder Arbeitswerkzeug ist in diesem Rahmen der heimischen Freizeitgestaltung eher selten."

Wenig Förderung

Das überrascht nicht und wäre auch ein geringeres Problem, wenn die Schule dies ausgleichen könnte. Dem ist aber wohl nicht so: "Die Institution Schule trägt in Deutschland insgesamt wenig zur Förderung eines kompetenten Umgangs mit dem Computer bei, was bei den vergleichsweise geringen Zugangsmöglichkeiten und einer entsprechend seltenen Nutzung des Computers in der Schule auch nicht verwundern kann", formuliert die Zusammenfassung der jüngsten Ergebnisse (Seite 37), um einige Sätze weiter noch deutlicher zu werden: "Offensichtlich ist dieser computerbezogene Kompetenzbereich ein Feld, auf dem sich deutsche Schülerinnen und Schüler fast ausschließlich selbstständig und außerhalb schulischer Angebote bewegen (müssen)."

Für die "wünschenswerte Verbesserung dieses Bildungsangebots" fehlt allerdings inzwischen vermutlich weniger die Hard- und Software an der deutschen Schule als die Manpower, sprich die ausreichend dafür geschulten Lehrkräfte.