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Aachen: Claude Debussy: Träumerisch, unschuldig, schicksalhaft

Aachen : Claude Debussy: Träumerisch, unschuldig, schicksalhaft

„Es werde Licht” - der biblische Schöpfungsspruch hat im Theater hohen Stellenwert. In Claude Debussys mystischer Oper „Pelléas und Mélisande”, die nach Maeterlincks symbolistischer Dichtung entstand, ist das Spiel von Licht und Schatten besonders bedeutsam.

So sind die „Licht-Statisten” bei der intensiven Lichtprobe am Donnerstag im Theater geradezu unentbehrlich. Die jungen Leute befolgen geduldig die Weisungen von Regisseurin Eva-Maria Höckmayr und Beleuchtungschef Hartmut Litzinger. Zarte, bemalte Gazestoffe sollen die Räume durchlässig machen, geheime Ängste und Sehnsüchte sollen sichtbar werden.

Unterstützt von der Drehbühne zeigen sich Wald, Zimmer und Brunnen in geheimnisvollem Licht. Die karge Inselwelt-Installation, die der Fantasie freien Raum lässt, hat der renommierte Bühnenbildner Ric Schachtebeck entworfen, der auch für die geniale Holzspirale bei „Nathan der Weise” am Theater Aachen verantwortlich ist.

Keine gefühlvollen Arien

Die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr (30) hat sich bereits vielfach im Opernfach und auch im Sprechtheater profilieren können. Die junge attraktive Würzburgerin wurde 2007für ihre Freiburger Inszenierung „Kreutzersonate” mit einem Förderpreis ausgezeichnet. In Aachen arbeitet sie zum ersten Mal. Sie weiß, dass Debussys Oper, 1902 in Paris uraufgeführt, kein Werk mit gefühlvollen Arien ist. Und Dramaturg Kai Weßler betont, dass der Komponist dem Wagnerschen Musikdrama etwas Anderes, Eigenständiges in der Partitur entgegensetzen wollte. Nicht ohne Grund erinnere die Thematik von „Pelléas und Mélisande” an Wagners „Tristan und Isolde, so der versierte Musikdramaturg, wie auch an alte Märchen wie „Rapunzel” oder „Jorinde und Joringel”.

Die seltsame Mélisande, ungezähmt und furchtsam zugleich, wird von Prinz Golaud im Wald gefunden. Er macht sie zu seiner Frau, doch die „unfassbare” Kindfrau fühlt sich auch zu Golauds Halbbruder Pelléas hingezogen. Träumerisch, unschuldig und dennoch schicksalhaft entwickelt sich diese verbotene Liebe im Märchenreich Allemonde. Ein gefährlicher Liebeszauber, der kein gutes Ende nehmen kann. Und mehr Fragen aufwirft, als er beantworten kann. Wie ein Sprechgesang, dem natürlichen Fluss der französischen Sprache folgend, mutet die Führung der Stimmen an. „Mehr Implosion als Explosion” offenbare dieses Psychodrama, so die Regisseurin.

Unter der Leitung von GMD Marcus R. Bosch werden Hrólfur Saemundsson (der Isländer ist neu am Haus) und Michaela Maria Mayer die Titelrollen singen. Der Kanadier Randall Jakosh übernimmt den Part von König Arkel, Leila Pfister singt die Geneviève, Andreas Macco den Golaud. Dauer: 150 Minuten plus Pause. In französischer Sprache, mit deutschen Übertiteln.

Ein hochbegabtes, junges Ensemble

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch ist neben dem Sinfonieorchester Aachen ein junges, internationales Ensemble aus hochbegabten Sängern zu erleben, die teilweise erst seit dieser Spielzeit zum Ensemble des Theater Aachen gehören.

Der kanadische Bariton Randall Jakobsh war mehrere Jahre an der Staatsoper Hannover und hat das Aachener Publikum bereits als Sarastro in „Die Zauberflöte” begeistert. Er übernimmt die Rolle des Arkel. Die schweizer Sopranistin Leila Pfister ersang sich bisher viele Stipendien und Preise in ihrer Heimat. Sie war u.a. Halbfinalistin beim internationalen ARD-Wettbewerb in München 2006. Seit dieser Spielzeit gehört sie zum Ensemble des Theater Aachen und singt den Part der Geneviéve.

Ebenfalls neu im Ensemble ist der isländische Bariton Hrólfur Saemundsson, der 2005 von der Wagnergesellschaft zum Sänger des Jahres gewählt wurde. Er wird die Rolle des Pelléas singen. Andreas Macco gastierte u. a. schon bei den Festspielen in Salzburg und Bregenz. Er stellte sich dem Aachener Publikum in der vergangenen Spielzeit als Mephisto in Michael Talkes „Faust” vor und ist seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied. Er übernimmt in Debussys Oper den Part des Golaud. Katharina Bergrath, die Jahresstipendiatin der Theater Initiative, wird die Rolle des Yinold singen.

Dem Publikum bestens bekannt sind Michaela Maria Mayer, die als Mélisande zu erleben sein wird und Pawel Lawreszuk, der die Rolle des Arztes und die Stimme des Hirten übernimmt.

Eine Kostprobe zu „Pelléas und Mélisande” findet im Theater Aachen statt am Dienstag, 22. Oktober, um 18,30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Premiere von „Pelleas und Mélisande” ist am Sonntag, 25. Oktober, um 18 Uhr (Bühne). Karten-Telefon: 0241/4784-244