Christian Klinkenberg bringt sein Werk "der Gletscher" auf die Bühne

Zweites Bühnenwerk von Christian Klinkenberg : Und wieder lauert in frostiger Atmosphäre der Tod

Aus Bildern werden Klänge: Der Eupener Christian Klinkenberg legt mit „Der Gletscher“ sein zweites Bühnenwerk vor. Mit seiner zweiten Kammeroper wagt der Komponist ein neues Experiment.

Auf der Suche nach neuen Formaten des Musiktheaters ist dem Eupener Komponisten Christian Klinkenberg bereits mit seiner ersten Kammeroper „Das Kreuz der Verlobten“ vor zwei Jahren ein vielversprechender Versuch gelungen. Nun wagt der 43-Jährige mit der Uraufführung seines zweiten Bühnenwerks „Der Gletscher“ ein neues Experiment.

Was die Handlung angeht, bleibt er der frostigen Atmosphäre aus seinem Bühnenerstling treu: Die Zwillinge Max und Gabriel steigen unbeschwert zu einem Gletscher auf, bis Gabriel durch einen Fehltritt zu Tode kommt. Der Ort der Schönheit und des Glücks wandelt sich zum Ort eines eisig kalten Schreckens. 30 lange Jahre bewegt Max das Schicksal seines toten Bruders, bevor er zum Schauplatz der Katastrophe zurückkehrt.

Wie schon vor zwei Jahren betraut Klinkenberg auch diesmal Nicole Erbe,  die in der freien Szene des Dreiländerecks schon viele Projekte verwirklicht hat, mit der Regie und der Abfassung des Librettos. Im Textbuch vereinigen sich Einflüsse verschiedener Autoren der Region aus dem 19. Jahrhundert. Dabei möchte die Regisseurin die Bedeutung der Zeit als wiederkehrenden Kreislauf herausstellen. Max erlebt den Tod seines Bruders bei seinem erneuten Aufstieg zum zweiten Mal, aber aus einer anderen, gereiften Bewusstseins- und Wahrnehmungsperspektive. Und auch die kommenden Jahre wird ihn die Katastrophe weiter beschäftigen.

Singen werden ausschließlich Max und Gabriel, wobei der später verunglückte Bruder nur per Videoeinspielung zu sehen und zu hören ist. Der Berggeist bleibt stumm und eine „Radiostimme“ wird von zwei Schauspielerinnen gesprochen.

Die Videotechnik greift elementar in die musikalische Struktur ein. Wie schon im „Kreuz der Verlobten“ werden die elf Instrumentalisten nicht nach traditionellen Noten spielen, sondern nach den Vorlagen von sechs „Gemälden“ des in Eupen geborenen Malers Marc Kirschvink. Klinkenberg wünscht sich, dass sich die Musiker stimmungsmäßig von den Farben und Formen der Bilder inspirieren lassen, so dass ihnen große improvisatorische Freiräume bleiben. Die Grafiken werden auch für den Zuschauer sichtbar auf den Bühnenhintergrund projiziert. Allerdings hat Klinkenberg seine Musik so weit verfeinert, dass die Bilder der Spielpartitur durch ein Zusatzsystem ergänzt werden, das die Tonhöhen genau definiert. Denn Klinkenberg, der sich intensiv mit modernen Techniken der Mikrointervallik beschäftigt, hat für jede Figur eine Art Leitmotiv in Form einer eigenen Tonskala entwickelt, was eine feste Zuordnung der Tonhöhen erfordert. Die Mikrointervallik beschäftigt sich mit der Aufteilung der traditionellen Oktave in wesentlich feinere Tonabstände, als wir es von der Einteilung in zwölf Halbtöne gewohnt sind. Selbst mit traditionellen Instrumenten gelingen bereits Aufspaltungen der Oktave in 128 extrem kleine Abstände. Mit elektronischen Mitteln sind die Möglichkeiten unbegrenzt.

Um diese speziellen Techniken realisieren zu können, hat Klinkenberg ein entsprechend Genre-kundiges Instrumentalensemble zusammengestellt. Die Hälfte hat bereits beim ersten Projekt mitgewirkt, der Rest reist aus ganz Europa und Amerika an. Die Kontakte zu den amerikanischen Musikern hat Klinkenberg dazu bewogen, sein neues Stück auch in New York zu zeigen. Drei Aufführungen sind Ende November dort vorgesehen. Zuvor wird „Der Gletscher“ noch in Brüssel und St. Vith gezeigt.

In Eupen ist das Stück am 25. und 26. Oktober im Kulturzentrum Alter Schlachthof am Rotenbergplatz zu sehen. Beginn ist um 20 Uhr. Tickets: www.alter-schlachthof.be. Telefon: 0032/87/59 46 20.

Mehr von Aachener Nachrichten