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Düsseldorf: Chris Rea zeigt, wofür sein Herz schlägt

Düsseldorf : Chris Rea zeigt, wofür sein Herz schlägt

„Auf Tour zu gehen ist weiterhin der beste Job der Welt - wenn ich dafür einen anderen Körper hätte”, sagte Chris Rea, als er 2006 auf große Abschiedstour ging. Ärzte hatten bei ihm Krebs diagnostiziert, eine ruhiger gestaltete Zukunft sollte der Therapie, dem Malen und dem Schreiben gehören.

Doch bereits zwei Jahre später war der Mann aus dem englischen Middlesbrough wieder auf Tour. Mit bemerkenswert vitaler Spielfreude präsentierte er jetzt den rund 4000 Fans in der Düsseldorfer Philipshalle die Songs seines aktuellen Albums „Still So Far To Go”. Rea, vor seiner Krankheit als seichter Kuschelrocker abgestempelt, dessen Erfolg sich in bislang 30 Millionen verkauften Alben niederschlug, zeigte, dass sein Herz vernehmlich im Bluesrhythmus schlägt.

Auf der dunklen Bühne lässt er zunächst seine Gitarre in Slidetechnik sprechen. Und dann erzählt er ausgiebig „Where The Blues Come From”. Rea war immer schon ein brillanter Slide-Gitarrist und guter Blues-Sänger. Aber - es mag klischeehaft klingen - erst jetzt hat er künstlerische Authentizität gewonnen. Auf der Bühnenkulisse sind blaue Gitarren aufgemalt, deren Schallöcher ähnlich verzerrt sind der Mund von Munchs „Der Schrei”.

Und wirklich, mit Hilfe des über den Finger gezogenen Kunststoffröhrchens lässt Rea seine Gitarre wütend aufschreien, gequält jaulen, traurig winseln, aber auch erlöst jubilieren. Rea muss Gefühle nicht erst in Klänge übersetzen, jede Seelenregung fließt unmittelbar in sein Instrument, mit dem er eins ist.

Rea ist kein großartiger Performer, aber er weiß um die Best-Of-Erwartungshaltung des Publikums. Und so kommen sie denn auch, die Hits wie „Josephine”, „Julia”, „On The Beach” und „Road To Hell”, die die Fans zu Standing Ovations hinreissen. Mit Unterstützung seines Quintett wird locker gerockt, was manchmal nach den frühen Dire Straits klingt oder nach Status Quo. Reas musikalische Seele ist aber ganz woanders zuhause, im Land des Blues.

Nach der Zugabe gibt es frenetischen Applaus für einen Musiker, der noch weit gehen will. Man will ihm wünschen, dass dazu noch ausreichend Zeit bleibt - die richtige Richtung hat er jedenfalls eingeschlagen.