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Würselen: Chick Corea öffnet auf der Burg sein spanisches Herz

Würselen : Chick Corea öffnet auf der Burg sein spanisches Herz

Unzählige Jazzpianisten gibt es, jede Menge fantastische darunter, und doch in jeder Generation nur ein paar ganz große. Aus der Ära der rund 60-Jährigen sind das Keith Jarrett, Herbie Hancock und Chick Corea.

Der kommt nun am Donnerstag, 3. Juni, 20 Uhr, zum einzigen Konzert in Deutschland nach Burg Wilhelmstein.

Und gibt das, was man vermutlich am liebsten von ihm nimmt, sein „spanisches Herz”. Während die Schallplatte dieses Titels von 1976 ein bisschen überarrangiert war, dürfte es mit der Besetzung der aktuellen Europa-Tour ziemlich direkt und Latin-groovig zugehen.

Corea (62) hat sich für seine Gruppe „Touchstone” die besten Leute von Flamenco-Star Paco de Lucia geholt: Carles Benavent (Bass), Jorge Pardo (Saxophon, Flöte), Rubem Dantas (Perkussion). Hinzu kommt der Schlagzeuger Tom Brechtlein.

„Chick”, der eigentlich Armando Anthony Corea heißt und waschechter Ostküsten-Amerikaner ist, spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavier, pflegt so ziemlich jeden Stil in und am Rande des Jazz sowie der Neo-Romantik und gilt in allen Bereichen auch als einer der originellsten Komponisten.

Seine Gruppe „Return to forever” war in den 70er Jahren eine der bedeutendsten Jazzrock-Formationen. Zuvor hatte er sich aber schon auf Miles Davis legendärem Album „Bitches Brew” fast unsterblich gemacht.

Auch Mozartkonzerte hat er aufgenommen, und seine hoch gelobte „klassische” Anschlagskultur lässt mitunter sogar den Jazz vergessen. Sein musikalisches Markenzeichen” aber ist die, mal offene, mal eher latente Latin-Grundierung.

Coreas ideologisches Markenzeichen ist seine für europäisch-kritische Verhältnisse schwer verdauliche und andauernde Propaganda für Scientology. Derentwegen durfte ihm in den 90er Jahren auch schon einmal ein Konzert in Stuttgart verboten werden.

Die Wogen der Erregung haben sich geglättet, und Corea hat seither mehrmals in Deutschland gespielt, ohne von Scientology zu reden. In seiner Musik Demagogisches aufzupüren, ist aber bisher auch noch keinem eingefallen.