Aachen: Charles Copenhaver ist tot

Aachen: Charles Copenhaver ist tot

Die Theaterwelt in der Region trägt Trauer: Charles Copenhaver, der langjährige Bühnenbildner des Aachener Grenzlandtheaters, ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Wie kaum ein anderer hat er über drei Jahrzehnte lang dem kleinen, und doch so großen, lebendigen Musentempelchen am Elisenbrunnen seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Und mit welcher Leidenschaft er das tat, wie einfallsreich er immer wieder auf wenigen Quadratmetern neue Welten hinzauberte, das fasste „seine” Grenzlandtheater-Familie am Wochenende so zusammen: „Seine Welt war die Bühne, sein Leben das Theater.”

Stellvertretend für seine vielen Freunde würdigten ihn Helmut Etschenberg, Beiratsvorsitzender des Grenzlandtheaters, die Intendanten Uwe Brandt und Manfred Langner, die kaufmännischen Chefs Hermann Fuchs und Franz Hermanns als maßgeblich prägende Persönlichkeit, die „zum Erfolg des Hauses beigetragen” hat.

Die künstlerische Heimat fand dieser so liebenswürdige Mensch, der das Licht der Welt am 26. Juli 1838 in Littleton, im US-amerikanischem New Hampshire, erblickte, 1977 in Aachen. Bis dahin hatte er bereits abenteuerliche Kapitel seines Lebens hinter sich - als Schauspiel- und Bühnenbild-Student an der Universität von Boston, als Gründer eines Off-Broadway-Ensembles in New York, erfolgreicher Werbetrickfilmer im Schatten des Empire State Buildings, als Bühnenbildner in Berlin, Serienautor für das ZDF und auch noch als Puppenspieler und Schauspiellehrer - ein Allroundtalent, wie es im Buche steht.

Walther holt ihn 1977

Intendant Karl-Heinz Walter holte ihn dann 1977 ans Grenzlandtheater - ein Glücksgriff, der dem Haus Hunderte wunderbarer Szenerien bescherte, die das Publikum immer wieder aufs Neue in Erstaunen versetzten: Sie waren in ihrer Funktionalität auf der winzigen Bühne so verblüffend genial entworfen wie dem Stück und der jeweiligen Inszenierung aussageweisend.

Charles Copenhavers „Trick” dabei: Er war ein absoluter Gefühlsmensch, und er arbeitete auch so - ganz aus dem Bauch heraus. Die Stücke, die brauchte er nicht einmal zu lesen, bekannte er herzerfrischend ehrlich im Interview. Stattdessen suchte er viel lieber die intensive Nähe zum Regisseur, er musste fühlen, mit was für einer Persönlichkeit er es da zu tun hatte, er konnte sich hineindenken in den anderen, den Partner, spüren, was der wollte und auf was er abzielte.

Auf einer Bühne, die mit ihrer Größe allenfalls als besserer Flur durchgeht, maximal zwölf Meter breit und 3,70 Meter tief, schuf er all die kleinen, fast imme sparsam gestalteten Weltchen, die sich mit einem einzigen Griff und einer Klappe im Handumdrehen umbauen ließen.

So viel Zauberei war dabei keineswegs nur ein Resultat genialer Intuition, sondern auch unverzichtbaren Handwerks. Charles Copenhaver beherrschte sie alle, die wichtigen CAD-Programme des „computer-aided design” ebenso wie die des 3D-Rendering, mit deren Hilfe er seine Bühnenbilder detailgetreu bis ins Kleinste bereits auf dem Bildschirm begehen konnte, da war noch nicht eine Stufe oder auch nur eine Wand gebaut. Kunst und Hightech - das waren für Charles Copenhaver zwei Seiten einer Medaille. Und so erblickten im kleinen Grenzlandtheater selbst so „dicke Hunde”, wie er zu sagen pflegte, wie „Cabaret” oder „Mutter Courage” das Bühnenlicht.

„Mit seiner liebenswerten Persönlichkeit ist er vielen von uns zum Freund geworden”, erinnert sich jetzt dankbar die Grenzlandtheater-Familie. „Wir werden ihn sehr vermissen.” Dem schließen sich alle, die Charles Copenhaver gekannt haben, von ganzem Herzen an.