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Würselen: Burgfräulein Candice herzt Knappe Ritchie

Würselen : Burgfräulein Candice herzt Knappe Ritchie

Der eine oder andere Fans des Hardrock-Veterans mag immer noch die Nase rümpfen angesichts dessen, was Ritchie Blackmore, der sich mit Deep Purple und Rainbow unsterblichen Ruhm erspielte, heutzutage fabriziert.

Aber man muss ihm und seiner Lebensgefährtin Candice Night vorurteilsfrei bescheinigen: Das Konzept ihres seit einigen Jahren mit zunehmendem Erfolg laufenden Projekts Blackmores Night - folkiges Renaissance-Flair mit rockigen Untertönen - geht voll auf.

Davon konnte man sich am Wochenende bei einem ausverkauften Konzert auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein überzeugen.

Das Gemäuer von Burg Wilhelmstein in Würselen als Kulisse für dieses Musik-Treiben - besser gehts nicht!

Die Bühne ist hergerichtet wie ein mittelalterlicher Dorfplatz: Strohballen, Pflanzen, mit Blätterdekor umwickelte Mikrofonständer, die Keyboards hinter dicken Fässern, die Verstärker mit Sackleinen verkleidet, brennende Fackeln hinterm Schlagzeug. Fehlt nur noch etwas Vieh.

Nicht wenige Zuschauer, vor allem angereiste Fanclub-Mitglieder, sind entsprechend stilecht gewandet. Feine Herren, Handwerker, Edelfrauen. Sogar ein Hofnarr ist zu sehen.

Sie alle huldigen Blackmores Night, wollen mit der Band feiern. Zunächst betreten vier Musiker und zwei Background-Sängerinnen die Spielfläche.

Dann kommen Candice Night und hinter ihr, fast schleichend, Ritchie Blackmore, jubelnd empfangen. Die folgenden eindreiviertel Stunden vergehen wie im Fluge.

Romantische Balladen (etwa „Ghost Of A Rose”, das Titelstück des gerade erschienenen neuen Studioalbums), Ohrwürmer („Home Again”, „Renaissance Fair”), Gassenhauer („All For One”) - das Publikum lässt sich verzaubern und geht begeistert mit.

Schade nur, dass einige Regenschauer die Szenerie am Rande trüben. Candice kommentierts mit Bedauern und einem warmen Lächeln.

Überhaupt hat die blonde Sängerin im wallenden Kleid viel Ausstrahlung. Mit Gefühl und Temperament spielt sie geschickt auf der Renaissance-Pop-Klaviatur.

Und Ritchie, der alte Rock-Kämpe? Zunächst steht der 58-Jährige in seiner typischen Art - ohne eine Miene zu verziehen - scheinbar wie unbeteiligt am Rande. Aber dann taut er auf. Candice sei Dank.

Mit einem schnippischen „Are you ready?” bringt sie ihn erstmals zum Lächeln. Ein wenig später streicht das Burgfräulein dem Knappen, der hier das Sagen hat, mit der Hand zärtlich über die Schulter, herzt ihn im Hintergrund mit dem Rücken zur Menge einmal kurz.

Und Ritchie wird lockerer, gibt volle Biergläser in die erste Reihe, grüßt, scherzt sogar.

Natürlich lässt er die Finger über die Saiten fliegen, zeigt sein Kön-nen an diversen Gitarren, an Laute, Mandoline, Drehleier und anderem. Instrumentalstücke wie „Play Minstrel Play” geben ihm da viel Raum.

Auch die Vergangenheit wird nicht ausgeklammert. Einen alten Deep-Purple-Titel spielt die Band: „Soldier Of Fortune” aus der knapp 30 Jahre zurückliegenden „Stormbringer”-Phase.

Und mit zwei Songs vom ersten Rainbow-Album wird kräftig gerockt: „16th Century Greensleeves” und „Self Portrait”.

Am Ende stehende Ovationen für dieses Konzert-Highlight auf Burg Wilhelmstein.