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Düsseldorf: „Burg Vogelsang” wird zum Museum

Düsseldorf : „Burg Vogelsang” wird zum Museum

Nach jahrelangem Streit über die künftige Nutzung der ehemaligen „NS-Ordensburg” im Nationalpark Eifel hat die NRW-Landesregierung grünes Licht für einen Rahmenvertrag gegeben.

Mit insgesamt 27 Millionen Euro sollen bis 2012 in der einstigen Kaderschmiede der NSDAP ein Nationalparkzentrum, ein Dokumentationszentrum zur NS- und Nachkriegsgeschichte sowie eine Jugendherberge entstehen.

Der Bund hat sich bereit erklärt, die Grundstücke „Adlerhof” und „Redoute” kostenlos an die Region zu übergeben. Hier soll die modernste Jugendherberge Europas mit 200 Betten eingerichtet werden. Der Bund zahlt zur Anschubfinanzierung zehn Millionen Euro, die EU und das Land NRW weitere 17 Millionen Euro - davon 40 Prozent vom Land - zum Ausbau des Denkmals.

Die Kreise Euskirchen, Düren, Aachen, die Stadt Schleiden und der Landschaftsverband Rheinland tragen zehn Prozent Eigenanteil. Anfang 2008 soll der Rahmenvertrag unterzeichnet werden.

Das riesige Grundstück mit 80.000 Quadratmetern Gebäudefläche war 2002 von den belgischen Streitkräften geräumt worden. Angesichts der heiklen Rolle der „Ordensburg” in der Nazizeit musste eine politisch korrekte wie finanzierbare Lösung gefunden werden. Burg Vogelsang steht seit 1989 unter Denkmalschutz.

Seit der Freigabe der größenwahnsinnigen Nazi-Architektur an der Urfttalsperre für die Öffentlichkeit 2006 kamen bereits 300.000 Besucher. Nach der Umsetzung der Pläne soll der Standort „Burg Vogelsang” auch für private Investoren interessant werden. Eine GmbH soll sich um Käufer und Mieter kümmern. Im Gespräch ist unter anderem eine Hotel- und Golfanlage. In dem „Adlerhof” sollen drei Dauerausstellungen untergebracht werden: eine zur NS-Geschichte, eine zur Geschichte der Region und eine zum Nationalpark Eifel.

Die Landesregierung will Burg Vogelsang zu „einem touristischen Ankerpunkt” für Besucher aus Europa entwickeln - „ohne die furchtbare Vergangenheit zu leugnen”. Vogelsang entstand 1934 als Schulungskaserne der NSDAP für den faschistischen Nachwuchs und ist eine der größten baulichen Hinterlassenschaften der Nationalsozialisten. Ziel der menschenverachtenden Ideologie war die „Erziehung eines neuen Menschen”. Fünfeinhalb Jahre diskutierte die Politik über die Nutzung, immer wieder wurde die Entscheidung verschoben, weil die Finanzierung unklar blieb.

Nun herrscht endlich Klarheit. Künftig soll ein attraktives Angebot für junge Familien mit Kindern entstehen, die den Nationalpark erwandern wollen. Unumstritten bleibt die Entscheidung für eine Nutzung der NSDAP-Kaderschmiede nicht. Nicht wenige befürchten, die Burg Vogelsang könnte zu einem neuen Anlaufpunkt für jugendliche Neonazis werden. Die Politik will das um jeden Preis verhindern - durch mehr Information und Bildung.