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Karlsruhe: Bundesrichter kassieren Drach-Urteil

Karlsruhe : Bundesrichter kassieren Drach-Urteil

Der wegen Geldwäsche zu fünf Jahren Haft verurteilte Lutz Drach, Bruder des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, muss mit einer höheren Strafe rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Freitag ein Urteil des Landgerichts Aachen hinsichtlich der Strafhöhe auf und folgte damit dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft.

Das Landgericht habe nicht hinreichend aufgeklärt, ob Drach bei der Beseitigung des Lösegelds aus der Entführung gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande gehandelt habe, entschied das Karlsruher Gericht. Das Landgericht muss über diesen Punkt - der zu einer härteren Strafe führen kann - neu verhandeln. Die Revision des Angeklagten hat der BGH verworfen (Aktenzeichen: 2 StR 225/05 vom 26. August 2005).

Das Aachener Gericht war in seinem Urteil vom Oktober 2004 davon
ausgegangen, Lutz Drach habe sechs Millionen Schweizer Franken aus
dem Lösegeld - an deren Transport nach Spanien und später nach Belgien er beteiligt war - nur aus Gefälligkeit gegenüber seinem Bruder beiseite geschafft und dafür keinen Lohn erhalten. Laut BGH steht dies aber in Zweifel, weil Drach von Oktober 1998 bis Mitte 2001 insgesamt 58 Flüge zwischen Brasilien und Europa gebucht hatte.

Dieser Aufwand stehe im Widerspruch zu Drachs Aussage, er habe damals mit wenig Geld in bescheidenen Verhältnissen in einer brasilianischen Kleinstadt gelebt. Anhand der Passagierlisten hätte das Landgericht dem BGH zufolge aufklären müssen, ob Drach die Flüge tatsächlich wahrgenommen und wovon er sie bezahlt habe. Außerdem hätte das Gericht einen ehemaligen Mithäftling von Thomas Drach vernehmen müssen, der gegenüber der Polizei behauptet hatte, Lutz Drach habe Zugang zu dem Lösegeld.

Der Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma war 1996 entführt´worden und gegen Zahlung von umgerechnet rund 15 Millionen Euro wieder freigekommen. Nur rund eine Million Euro aus dem Lösegeld ist bisher wieder aufgetaucht. Thomas Drach wurde 2001 zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.