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Aachen: Bürokratie und Sparzwang machen den Traumjob madig

Aachen : Bürokratie und Sparzwang machen den Traumjob madig

Nach der Schilderung von Roxana Schäfer machte sich Betroffenheit in dem gut besetzten Hörsaal des Aachener Klinikums breit. Die Assistenzärztin hatte von ihrer ursprünglichen Begeisterung für den Beruf berichtet, die aber immer mehr von „Bürokratie und entwürdigenden Arbeitsbedingungen” zur Frustration zermahlen werde.

Zu wenig Geld, auf dem Gehaltsstreifen und im Budget, und zu wenig Zeit für den Patienten machen ihr den Traumberuf madig. Die junge Ärztin plädierte dafür, die Patienten nicht noch mehr zu entmündigen. Statt sie mit oft überflüssigen technischen Leistungen abzufinden, gelte es, sie zu schulen und ihnen die Verantwortung für ihre Gesundheit zurück zu geben.

Ganz ähnlich hatten sich bereits Kollegen beim vom Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Frank Schneider, moderierten Vortragsabend der „Medizinischen Gesellschaft Aachen” mit dem Titel „Die Zukunft des Arztberufes” zu Wort gemeldet. Vor allem der bürokratische Aufwand in Form von unzähligen und komplizierten Fragebögen bringt viele Mediziner an den Rand der Verzweiflung.

Hier versprach Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt baldige Linderung durch die im April in Kraft tretende Reform. Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass auch die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung für den Papierwust in den Behandlungszimmern verantwortlich seien. Sie begrüßte die Ankündigung von Prof. Rolf Rossaint, Direktor der Klinik für operative Intensivmedizin, künftig speziell ausgebildete Assistenten die Dokumentation übernehmen zu lassen und so den Ärzten mehr Zeit für die Patienten zu verschaffen.

Rossaint machte deutlich, dass solche Veränderungen nicht zuletzt durch die Diskussion zur Zukunft der Unikliniken Fahrt aufnähmen. Er plädierte dafür, den Unikliniken mehr Rechte als Bauherren und die Möglichkeit der Kreditnahme einzuräumen sowie „Mitbestimmungsfragen zu durchdenken”, damit nicht alle strukturellen Reformen an dieser Stelle hängen blieben. Die Aussicht, schon bald im Verbund mit dem Klinikum Maastricht zu agieren, sieht er als attraktive Alternative. Auch die Ministerin sowie der Arzt und CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Henke bezeichneten die Pläne einer Integration der beiden Unikliniken als „faszinierende” Option.

Viel Kritik an der Politik hielt der niedergelassene Arzt Hubertus Koenen aus Titz bereit. Für ihn ist der Arzt der Überbringer der schlechten Nachrichten, die aus dem von oben verordneten Sparzwang resultieren. Den schwarzen Peter, der an diesem Abend fleißig rumgereicht wurde, gab Schmidt direkt zurück: Man könne nicht mehr Geld in unser Gesundheitssystem stecken, sondern müsse die Mittel einfach besser verteilen.

Und international, so Schmidt, stehe man viel besser da, als oft behauptet. Der Beruf habe ein hohes Ansehen und sei krisensicher. Zuvor hatte Henke Umfragen zitiert, nach denen der Ruf unseres Gesundheitssystems schlecht, die Zufriedenheit von Betroffenen aber recht gut sei. Auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Medizinforschung machte Prof. Jürgen Floege, RWTH-Prodekan für Forschung, deutlich. Jedoch drückten schlechte Bezahlung und mangelnde Karriereaussichten die Wissenschaftler.