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Aachen: Buchmesse: Nicht alle teilen Optimismus

Aachen : Buchmesse: Nicht alle teilen Optimismus

Der Optimismus von Buchmessen-Direktor Volker Neumann wird nicht von allen Verlagen geteilt.

Verleger Klaus Wagenbach zum Beispiel rechnet nicht mit einer raschen wirtschaftlichen Erholung. „Bei vielen Verlagen ist das noch ein Stück weit Wunschdenken”, sagte auch die Sprecherin des Ratgeberverlags Gräfe und Unzer, Claudia Uhr. „Aber Gejammer gab es lange genug. Da ist der Versuch gut, den Kopf aus dem Sand zu nehmen.”

Eine Umfrage unter Verlagen in unserer Region ergab ein zwiespältiges Bild, was die Bilanz der Buchmesse ebenso angeht wie die Zukunftsaussichten der Branche:

Meyer & Meyer Verlag, Aachen: „Generell lief es deutlich besser als im Vorjahr”, so Verlagsbuchhändlerin Gaby van Rey. „Die Neugier der Leute war größer, der Umsatz auch. Besonderes Interesse fanden die ganz normalen Sportbücher, bei denen die Gesundheit im Vordergrund steht.”

Dumont Verlag, Köln: „Wir hatten viele Besucher, es war viel mehr los”, meint Pressesprecherin Julia Giordano. „Genaue Bilanzen können wir heute noch nicht vorlegen, aber die Atmosphäre war positiv, unsere Autoren wurden beachtet, es hat deutlich mehr Spaß gemacht, auf der Messe zu sein.”

Helios-Verlag, Aachen: „Wir waren gar nicht auf der Buchmesse”, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Pröhuber. „Kosten und Nutzen stehen für uns in keinem Verhältnis.”

Helios kümmert sich mit seinem regional geprägten Literaturangebot lieber direkt um seine Buchhändler. Was die wirtschaftlichen Erwartungen angeht, zeigt sich Pröhuber sehr skeptisch.

„Das Frühjahr war katastrophal. Und wenn man jetzt von der Steuerreform erwartet, dass ein Kaufrausch ausbricht, nur weil man 200 Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie hat, dann ist das Kokolores.”

Rimbaud-Verlag, Aachen: Von dem vermeintlichen „Ruck”, der angeblich jetzt durch die Branche gehe, hält Bernhard Albers, Geschäftsführer des Aachener Rimbaud-Verlags, seit 25 Jahren Teilnehmer der Buchmesse, gar nichts. Für ihn sind das „Potemkinsche Dörfer”: „Die werden gebaut, weil es sie gar nicht gibt.”

Sein vernichtendes Urteil über die Buchmesse: „Der richtige, interessierte Leser geht gar nicht mehr hin. Da trifft man nur Menschen, die Leute wie Dieter Bohlen sehen wollen.”

Ganze Schulklassen seien über die Buchmesse geschleift worden, „die sonst nie da waren”, aber jetzt dafür gesorgt hätten, dass am Ende eine hohe Besucherzahl vorgewiesen werden könnte. Die ganze Buchmesse sei nur mehr eine reine Schau-Veranstaltung.

Beim Rimbaud-Stand sei am letzten Tag nicht ein einziges Buch verkauft worden, die Prospekte wären liegen geblieben. Albers Schlussfolgerung: „Unter den richtigen Lesern ist nicht genug Geld vorhanden.” Von „Ruck” könne überhaupt keine Rede sein.