„So viele Hähne, so nah beim Haus“ von Maarten ’t Hart: Sein Erzählungsband bringt seine Kunst zum Leuchten

„So viele Hähne, so nah beim Haus“ von Maarten ’t Hart : Sein Erzählungsband bringt seine Kunst zum Leuchten

Ein kleiner Junge, der unbedingt am Haus von Gott klingeln will, um ihn um Hilfe für seine kranke Mutter zu bitten; eine Hausbesichtigung, bei der ein potenzieller Käufer alles nur Erdenkliche bemängelt und es schließlich unbedingt haben möchte; ein Hund, der einen Plattenklub fest im Griff hat, und ein Gottesdienst ganz ohne Besucher, bei dem der Erzähler Orgel spielt.

Diese und weitere skurrile Anekdoten erzählt Marten ‘t Hart und als Verbindung der thematisch sehr unterschiedlichen Geschichten tritt er selbst als Ich-Erzähler auf. Ob es sich dabei um den Autor selbst oder sein Alter Ego handelt, bleibt offen, ist aber letztlich auch irrelevant. Wichtiger vielleicht sein unausgesprochener Hinweis, das Leben nicht immer allzu ernst zu nehmen – zumindest bei den unwichtigen Dingen.

Und so kann man sich beim Lesen fallen lassen in ’t Harts Kosmos unglaublicher Begebenheiten – mal nachdenklich, mal traurig, mal lustig. Die außergewöhnlichen Figuren und Begegnungen schildert Hart mit einer gewissen Schonungslosigkeit und Offenheit, jedoch immer mit Feingefühl und gepaart mit einem kleinen Augenzwinkern. In dieser Balance behält er stets seinen sehr liebevollen Blick auf die Menschen.

Nicht zuletzt machen auch die überraschenden Wendungen und treffsicheren Pointen den Reiz seiner Geschichten aus. 16 kleine und mittellange Erzählungen sind eingefasst von zwei längeren. Wer mag, kann in den 18 Geschichten auch einen Reifeprozess widergespiegelt sehen. Die erste hat junge Erwachsene als Hauptakteure, und es geht um eine verhinderte Vergewaltigung, die einen Bäckersgehilfen äußerst in Bedrängnis bringt. Die letztere hingegen ist eine fein gesponnene Liebesgeschichte, die mit einer altersweisen Entscheidung endet.

Der Ruf eines grandiosen Erzählers mit einem erstaunlich genauen Blick für die kleinen Details eilt dem niederländischen Schriftsteller voraus, und dem wird er vollends gerecht. Auf jeden Fall lesenswert!

(cc)
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