Roman „Wir wollen nach oben“ von Joe Mungo Reed

Roman „Wir wollen nach oben“ : Immer und überall erfolgreich sein

In diesem Debütroman geht es um den Druck, immer und überall erfolgreich zu sein und alles in seiner Macht stehende für einen Sieg zu tun – ungeachtet möglicher Verluste. Solomon folgt genau diesem Prinzip.

Der professionelle Radfahrer nimmt zusammen mit seinem Team an der Tour de France teil. Er kämpft jedoch nicht für seinen eigenen Sieg, sondern für den von Teamkapitän Fabrice. Seine Funktion innerhalb des Teams ist es, alles dafür zu tun, dass Fabrice in der Wertung möglichst weit vorne ist und oben auf dem Treppchen steht. Solomons individuelles Ergebnis rückt dabei in den Hintergrund und steht nie zur Diskussion.

Ähnlich erdrückend wie die Situation Solomons ist auch der Erzählstil. Durch einen oberflächlichen, gleichzeitig observierenden Blick werden Emotionen gemieden und das Umfeld auf Schwächen abgesucht. Grenzen werden bis an den Rand des vermeintlich Unentdeckten ausgetestet; Doping wird geduldet und sogar befürwortet, solange nicht öffentlich darüber geredet wird. Sobald bei den konkurrierenden Teams Schwächen entdeckt werden, benutzt man sie zum Vorteil des eigenen Teams. Moralische Einwände werden gekonnt ignoriert und zunichte gemacht.

Solomons Leben und dessen Schilderungen sind reduziert auf das Notwendigste. Dass er verheiratet ist und seine Frau Liz sich um ihren neugeborenen Sohn kümmert, bleibt Nebensache. Aus Anstand ruft er regelmäßig zu Hause an; Interesse zeigt Solomon aber nicht, und die Gespräche bleiben oberflächlich.

Wie die Telefonate eine durchgeplante Regelmäßigkeit besitzen, ist auch sein Alltag aufgebaut. Radfahren und Trainieren stehen an erster Stelle, werden allerdings genauso emotionslos und passiv durchgezogen wie Salomon auch alle anderen Situationen durchlebt. Getrieben vom Druck des Erfolgs hält er nahezu kritiklos durch. Das ist keine einfache, manchmal ermüdende Lektüre, für Radsportfans aber allemal ein spannendes, aufschlussreiches Buch.

(lena)
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