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„Ein wenig Glaube“: Roman von Nickolas Butler

„Ein wenig Glaube“ : Roman von Nickolas Butler

Wenn der Glaube über allem steht: Nickolas Butlers Roman erzählt die Geschichte der Familie Hovde. Nur neun Monate nach der Geburt stirbt Pegs und Lyles Sohn Peter. Tief getroffen von diesem Verlust werden die beiden drei Jahre später dann doch Eltern.

Das Kind, Shiloh, wird von einem 16-jährigen Mädchen heimlich auf der Toilette eines Schnellimbisses geboren. Peg und Lyle adoptieren das Kind. Als Shiloh später als junge Erwachsene auszieht und die Kleinstadt verlässt, verändert sich jedoch die Familiendynamik.

„Ein wenig Glaube“ setzt circa drei Jahrzehnte später in der Erzählung ein. Shiloh ist inzwischen alleinerziehende Mutter eines Fünfjährigen und zieht aufgrund finanzieller Probleme zurück zu ihren Eltern. Die Großeltern genießen die Zeit mit Isaac, während Shiloh Halt im konfessionslosen Bund des Flusstälerlandes findet. Pastor Steven, Oberhaupt dieser Religionsgemeinschaft, hat es ihr besonders angetan, und sie beginnen eine Beziehung. Zum Zentrum der Kirche wird jedoch Isaac, indem ihm vom Pastor heilende Kräfte zugesprochen werden.

Shiloh ist von dieser Fähigkeit überzeugt, während ihr Vater immer stärker zweifelt: „Entweder es gibt keinen Gott, oder Gott ist grausam.“ Lyle und seine Tochter entfremden sich. Peg versucht zu vermitteln, kommt gegen die Weltbilder beider aber nicht an. Erst, als Isaacs Leben in Gefahr ist, beginnt auch Peg, ihren eigenen Glauben zu überdenken und Aussagen ihrer Tochter infrage zu stellen.

Nickolas Butler weist mit seinem Roman auf die Problematik sektenähnlicher Gemeinschaften hin, ohne dabei zu urteilen. Indem die Geschichte aus Lyles Perspektive und somit von außen geschildert wird, erhält man einzig Beobachtungen und Vermutungen über das Geschehen, aber an keiner Stelle konkrete Einblicke in die innere Dynamik der Kirche. Der ruhige, sachliche Schreibstil unterstützt das Gefühl der leise brodelnden Gefahr und animiert zum Weiterlesen. Ein wirklich kluges Buch.

(lena)