Roman „Maschinen wie ich“ von Ian McEwan

„Maschinen wie ich“ : Die 80er Jahre in England neu erfunden

Die 80er Jahre waren anders als die meisten, die dabei waren, sie in Erinnerung haben – jedenfalls bei Ian McEwan. Mehr denn je lässt der britische Erfolgsautor der Fantasie freien Lauf: 1982 geben die Beatles nach zwölf Jahren Trennung ihre Wiedervereinigung bekannt.

Ihr neues Album „Love and Lemons“ haben sie mit einem 80-köpfigen Symphonieorchester eingespielt. Margaret Thatcher wird abgewählt, denn die Briten haben den Falklandkrieg schmachvoll verloren. Der linke Labour-Führer Tony Benn wird Premierminister. Nur um von einer Bombe der IRA im Bett zerfetzt zu werden.

Vor dieser Kulisse der Wirklichkeitsverdrehung wirkt McEwans wundersame Romangestalt Adam fast schon wieder real. Dieser Adam ist ein Android, ein humanoider Roboter – und zwar einer, der besser aussieht sowie muskulöser und weit intelligenter ist als der durchschnittliche Mann und obendrein besser im Bett.

Künstliche Intelligenz gepaart mit künstlicher Potenz. Da kann schon mal Eifersucht auf eine Maschine aufkommen. Der Londoner Online-Trader Charlie muss das leidvoll erfahren. Er wohnt eine Etage unter der jungen Akademikerin Miranda, mit der ihn ein Liebesverhältnis verbindet.

Beide haben Persönlichkeit und Charakter des Robo-Manns je zur Hälfte programmiert. Dafür haben sie Kästchen angeklickt. Liebevoll? Ja. Hilfsbereit? Ja. Egoistisch? Nein. Was sie nicht ahnten: Adam wurde von der Herstellerfirma mit einer Reihe fester Voreinstellungen ausgeliefert – selbstständiges maschinelles Lernen inklusive. Adam erweist sich bald als ein Wesen, das seinen eigenen Kopf, seine eigenen Wünsche und Begierden hat.

Charlie versteht das spätestens, als er den Geräuschen in der Wohnung über ihm lauscht, wo Adam bei Miranda zu Besuch ist: „Als Mirandas langgezogener, ekstatischer Schrei plötzlich durch die Nacht gellte und in ein Wimmern, dann in ein unterdrücktes Schluchzen überging . . . gestand ich Adam die vollen Rechte und Pflichten eines Artgenossen zu. Ich hasste ihn.“

Eines Tages werde es solche humanoiden Adams und Evas geben. „Ob das nun gut ist oder nicht, eben darum geht es unter anderem in „Maschinen wie ich“, sagt McEwan in einem Interview.

(bur)
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