Roman „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ von Joel Dicker

„Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ : Ein Blutbad im Haus des Bürgermeisters

Es ist ein schöner Sommerabend des Jahres 1994, als im feinen US-Badeort Orphea ein Blutbad im Haus des Bürgermeisters passiert. Und keiner bekommt etwas mit. Denn das Verbrechen fällt mit dem ersten Theaterfestival in der Geschichte der Kleinstadt zusammen.

Mitten auf dem Bürgersteig wird eine Joggerin mit Kopfschuss gefunden. Hinter einer eingetretenen Haustür liegen die Leichen des Bürgermeisters, seiner Frau und seines kleinen Sohnes – vom Täter keine Spur. Für die jungen Polizisten Derek Scott und Jesse Rosenberg ist es ihr erster großer Fall. Ein Verbrechen, das ihrer beider Leben verändern wird. 20 Jahre später wird sie noch einmal einholen, was damals geschah.

Es ist der vierte Roman des Schweizer Autoren Joël Dicker. Er hat inzwischen eine feste Handschrift entwickelt, was Fans in seinen Büchern auf jeden Fall vorfinden. Das großzügige Haus in den Hamptons ist als Schauplatz nicht wegzudenken, ein Schriftsteller mit Schreibkrise muss vorkommen, ebenso zwielichtige Polizisten. Alles ist verpackt in eine Handlung, die in immer neuen Zeitsprüngen um ein blutiges Haupt-Ereignis kreist.

Ein Heer von Nebenfiguren liefert die nötige Verwirrung, um die Spannung zu halten und ein düsteres Geheimnis nach dem anderen aufzubauen und zu lüften. Zum engeren Kreis der Handelnden gehören nicht weniger als 30 Leute.

Geschickt verwebt Dicker den Vermisstenfall Stephanie Mailer im Jahr 2014 mit dem Vierfachmord von 1994, der offenbar doch ganz andere Motive hatte als angenommen und von der Polizei verkündet. Was wollte die Lokaljournalistin Stephanie aufdecken? Warum suchte sie Hilfe bei der Polizei? Was meinte sie mit dem mysteriösen Satz vor ihrem Verschwinden? „Die Lösung lag genau vor Ihren Augen, Captain Rosenberg. Sie haben sie einfach nicht gesehen.“ Und: Wie viele Leute müssen noch sterben, bis endlich klar wird, wie alles begann? Eines aber ist sicher: Hinter den schicken Fassaden des Ostküsten-Kaffs ist bei der angeblich guten Gesellschaft nichts wie es zuerst scheint.

Über 665 Seiten bis zum Schluss die Spannung zu erhalten, wie es hier gelungen ist, das ist eine hohe Kunst. Das Buch dürfte Dickers  Erfolgsserie fortsetzen.

(cbo)
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