Krimi „Menu surprise“ von Martin Walker

Krimi : „Menu surprise“ lässt zum elften Mal an Einsätzen teilhaben

Dass das Périgord ein Sehnsuchtsort ist, weiß man längst. Vor allem auch dank Martin Walker. Der Schotte hat seinen Chef de Police, Bruno, in den südwestfranzösischen Landstrich verpflanzt und lässt uns nun zum elften Mal an dessen Einsätzen teilhaben – ob als Polizist oder als Gourmet.

Letzteres hat nun folgerichtig auch den Titel des neuen Romans bestimmt: „Menu surprise“. In der Tat serviert Walker einmal mehr ein Gericht aus vielerlei Überraschungen, die nicht nur bekömmlich sind, sondern auch auf den Magen schlagen. Denn natürlich enthält Krimi-Kost vor allem eine Konfrontation mit dem Bösen. Und das bringt viel Unruhe ins fiktive Städtchen Saint-Denis.

Zunächst scheint alles friedlich, wie meistens. Bruno fiebert mit der von ihm trainierten Damen-Rugby-Mannschaft mit. Immerhin geht es um die regionale Meisterschaft und die Berufung einer ihrer Spielerinnen in das Nationalteam. Pamela, Ex-Geliebte und inzwischen gute Freundin, bereitet ihren nächsten Kochkursus vor, Einheimische und Feriengäste erfreuen sich an kulinarischen Köstlichkeiten, historischer Architektur und Kunst sowie an der wunderschönen Landschaft. Selbst als eine tote Frau gefunden wird, die bei Pamela als Feriengast und Kursteilnehmerin gemeldet war, hält sich die Aufregung in Grenzen.

Dass Bruno dennoch ein wenig aus dem Gleichgewicht gerät, liegt nicht unbedingt daran, dass er befördert wurde und nun ein größeres Gebiet zu betreuen hat. Vielmehr führt der Mord an der Frau und – wie sich bald herausstellt – auch an ihrem Geliebten, zu internationalen Verflechtungen und damit zur Rückkehr von Isabelle, jener Frau, die Bruno vor geraumer Zeit das Herz gebrochen hat, ihre Karriere jedoch dem privaten Glück vorzog. Ja, das Kapitel ist noch nicht beendet.

Doch in erster Linie beschäftigen die beiden Toten nicht nur mehr die einheimischen Polizisten, sondern auch britische und US-amerikanische Geheimdienste. Ist es möglich, dass das idyllische Périgord Ziel eines terroristischen Anschlags werden soll? Walker offenbart hier weitreichendes politisches Hintergrundwissen und prophetische Weitsicht, in dem er beispielsweise der militanten katholisch-nationalistischen Gruppe „Neue IRA“ eine Rolle zuschreibt, die zur Entstehungszeit des Buches noch halbwegs Fiktion war, inzwischen aber der Realität unglücklicherweise sehr nahe kommt.

Aus einem Mord wird ein Fall mit internationalen Dimensionen, der zum Ende hin immer vertrackter wird. Neue Wendungen sorgen für Spannung, die immer wieder aufgetischten regionalen Spezialitäten für Entspannung. Und mittendrin Bruno, der sich nebenbei mit einer ungeplanten Schwangerschaft auseinandersetzen, der hier und da helfend einspringen muss und trotz seiner beruflichen Belastung immer wieder Zeit findet für Pferd, Hund und Menschen, die er zum Kochen und Essen einlädt.

Es ist – wie gehabt – ein hübscher Mix aus Krimi und behaglicher Unterhaltung. Was der über lange Strecken selbst im Périgord lebende Walker bis zur Vollendung beherrscht, ist die Kunst, (zum Teil selbstgeschaffene) Klischees als außergewöhnlich stimulierende oder bahnbrechende Situationen, stereotype Menschen als unkonventionelle und dynamische Persönlichkeiten darzustellen. Das zu lesen, ist Spaß in Reinkultur – und appetitanregend sowieso.

(frk)
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