Karnevalsbuch „Es ist noch Känguruschwanzsuppe da“ von Walter Filz

Karnevalsbuch über Karlheinz Filz : „Es ist noch Känguruschwanzsuppe da“

Als der ehemalige Betriebskantinenkoch Karlheinz Filz 2002 stirbt, tut er das im Rang eines Generalleutnants – nicht bei der Bundeswehr, sondern bei der Kölner Prinzengarde. 40 Jahre trug er die rotweiße Uniform des Traditionskorps.

„Wenn ich tot bin, musst Du sehen, wie Du mit dem ganzen Zeug zurechtkommst“, diesen Satz hat sein Sohn Walter immer wieder von ihm gehört. „Das Zeug“ stapelt und staut sich in Vitrinen, Schaukästen, Schränken und Regalen: hunderte Orden, Medaillen und Plaketten, unzählige Souvenirs, Ehrenurkunden, Fotos, Speisekarten, Broschüren und Zeitungsausschnitte. Zwei Zimmer für vier jecke Dekaden. Ein kölsches Panoptikum.

Walter Filz hat den väterlichen Nachlass gesichtet. Und daraus – ergänzt durch eigene Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen sowie Fotografien von Boris Becker – eine kunterbunte, wunderschön gestaltete Chronik gemacht. Dass sie sich überaus vergnüglich liest, lässt schon der kuriose Titel ahnen: „Es ist noch Känguruschwanzsuppe da – Die Wahrheit über den Kölner Karneval aufgrund der Beweismittel meines Vaters“. Filz variiert den Sessionshit von 1968 „Es ist noch Suppe da“ und verrät, dass zu dieser Zeit nicht nur Teile von Schildkröten ihren Weg in flüssige Vorspeisen fanden, sondern auch jene von australischen Beuteltieren.

Beginnend 1962 (Korps-Eintritt des Vaters) und endend 1979 (Auszug des Sohnes von Zuhause) wird entlarvt, was den konservativen Karneval militärischer Prägung im Innersten zusammenhält. Der Autor und Kulturjournalist erzählt von Adenauer und Asbach Uralt, von Schweinkram und Sozialfürsorge, politischer Revolte und närrischem Radau. Aus der Sicht eines zunehmend kritischen Insiders, der 1964 mit fünf Jahren, seine erste Garde-Uniform trug.

„Die Karnevalsoffiziellen“, so Filz „bleiben auch Ende der Siebzigerjahre wie vernagelt und schmieren stur die immergleichen Brauchtumspflegemittel auf die glanzlos stumpfen Oberflächen eines brüchigen Heimatmobiliars.“ Aus einer ganz anderen Ecke bläst schon längst ein frischer Wind: Die 1970 gegründeten „Bläck Fööss“ bringen subversive Popkultur in die verknöcherten Strukturen des rheinischen Frohsinns.

(sus)
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