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In Verena Güntners Roman "Power" geht ein Hund verloren

Roman „Power“ : Auf der Suche nach dem verschwundenen Hund

In ihrem Roman „Power“ begibt sich Verena Güntner auf die Suche nach einem verschwundenen Hund. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2020.

Frau Hitschkes Hund ist verschwunden. Dabei war sie nur kurz einkaufen. Und nun ist sie verzweifelt und bittet Kerze um Hilfe. Kerze ist noch ein Kind, aber anders als „die Hitschke“ selbstbestimmt, ohne Angst und mit klaren Vorstellungen davon, was zu tun ist: Sie verspricht, den Hund zu finden.

Genau das ist, was Kerze am besten kann, schreibt Verena Güntner über ihre ungewöhnliche Protagonistin: „Versprechen halten. Jeder im Dorf weiß das, und deshalb kommen die Leute zu ihr.“

Was wie der Plot aus einer Kinderbuchreihe klingt, ist eine komplexe, faszinierende und alles andere als kindliche Geschichte. Am Ende des Romans haben Kerze und ihre gleichaltrigen Freunde sieben Wochen lang nach Power gesucht und ihn schließlich gefunden – tot und von Maden zerfressen. Und sie haben die Erwachsenen gegen sich aufgebracht, die ihnen ihren Willen nicht mehr aufzwingen können. Auch darum geht es: den Konflikt zwischen den Kindern und den „Großen“, die nicht wie sonst das Sagen haben.

„Power“ ist der Beweis, dass mit Güntner, die Schauspiel studiert und an einer Reihe von Theatern auf der Bühne gestanden hat, auch als Schriftstellerin zu rechnen ist. Der Roman spielt in einem Dorf, das etwas Archaisches, aber nichts Anheimelndes hat. Der Huberbauer schikaniert hier seinen Sohn genauso wie seine Arbeiter.

Anders als der Hubersohn lässt Kerze sich nichts sagen, macht, was sie für richtig hält. Und deshalb traut man ihr zu, dass sie schafft, was sie einmal zugesagt hat. „Weil sie Kerze ist. Ein Licht in dieser rabenschwarzen Welt.“

Bei der Suche nach Frau Hitschkes Hund versammelt sie immer mehr Kinder um sich. Schließlich verschwinden sie im Wald, erst tagsüber, dann kommen sie gar nicht mehr nach Hause zurück. Dass die Kinder bald auf allen vieren kriechen und selbst wie Hunde bellen, gibt der Handlung schnell etwas Surreales. „Power“ erzählt eine starke Geschichte, keine mit einfacher Botschaft. Das spricht eher für als gegen den Roman.

(hei)