Roman „Im Licht der Zeit“: Auf den Spuren von Marlene Dietrich

Roman „Im Licht der Zeit“ : Auf den Spuren von Marlene Dietrich

Der Roman ist eine Zeitreise in die glamouröse Filmwelt von Berlin während der 20er Jahre. Die Hauptakteurin heißt Marlene Dietrich. Autor Edgar Rai erzählt ihren Aufstieg vom einfachen Revuegirl zur gefragten Schauspielerin. Gleichzeitig konzentriert er sich auf die Entstehungsgeschichte des Films „Der blaue Engel“.

Mit diesem ersten Tonfilm beginnt in den Filmstudios der Ufa in Babelsberg eine neue Ära. Karl Vollmöller, ein Macher und Allround-Talent, bekommt die Aufgabe, den ersten Tonfilm zu drehen. Der Hauptdarsteller steht von Anfang an fest. Nur Emil Jannings, der gefeierte und aus den USA zurückgekehrte Oscar-Preisträger, kommt in Frage. Auch die Geschichte hat Vollmöller schon: Er konnte Heinrich Mann überzeugen, ihm die Rechte für eine Verfilmung von dessen Roman „Professor Unrat“ zu verkaufen. Produzent Erich Pommer und Regisseur Josef von Sternberg sagen ebenfalls zu. Nur die weibliche Hauptdarstellerin fehlt noch. Von Sternberg entdeckt Marlene Dietrich, die mit ihrer frivolen Show das Publikum begeistert. Vollmöller und von Sternberg glauben, dass sie die perfekte Besetzung für die Figur der Nachtclubsängerin Lola ist.

Der Autor teilt die kompakte Geschichte in drei Erzählebenen, die er mühelos verknüpft. Da ist Marlene selbst, die sich nach 10 Jahren Revuetheater am Ende ihrer Karriere wähnt. Auch, weil die Kameramänner sie als „unfilmbar“ bezeichnen. Den Tonfilm sieht sie als ihre letzte Chance, doch noch den Sprung in die Schauspielerei zu schaffen. Karl Vollmöller, Filmpionier und Dramaturg, denkt sich verwegene Pläne aus, um die Eifersüchteleien und Intrigen der Beteiligten einzugrenzen.

Amüsant erzählt Edgar Rai, wie Vollmöller immer wieder versucht, den erzkonservativen UFA-Boss Alfred Hugenberg auszutricksen, der den lasziven Szenen der Nachtclubsängerin Lola-Lola, die Professor Rath um den Verstand bringt, niemals zugestimmt hätte. Die dritte Perspektive nimmt Henny Porten ein. Sie ist der Star des deutschen Stummfilms. Ihre Tage wie auch die von Emil Jannings sind mit der Verbreitung des Tonfilms vorbei.

So spannend und vergnüglich sich die vielen Geschichten um Marlene und den Film „Der blaue Engel“ ranken, so nachdenklich und fast erschreckend aktuell stimmen die Zeitdokumente, die der Autor seinen 58 Kapiteln voranstellt. Sie berichten von Stresemanns Tod, dem Börsencrash in New York oder dem immer stärkeren Rechtsruck am Ende der Weimarer Republik.

Wie ernst die Lage ist, zeigt der Autor am Beispiel des Medienmoguls Alfred Hugenberg, obwohl dieser nur eine Nebenfigur im Roman ist. Der Ufa-Chef ist eng befreundet mit Heinrich Goebbels. Beide raten Henny Porten, sie solle sich von ihrem jüdischen Mann trennen, und versprechen ihr unter dieser Bedingung eine weitere traumhafte Karriere.

Der Roman ist also keineswegs eine schlichte Erzählung über den Aufstieg von Marlene Dietrich. Er spiegelt sehr detailreich auch die damalige Zeit wider.

(ne)