Essay: „American Psycho“-Autor nimmt demokratische Linke ins Visier

Essay : „American Psycho“-Autor nimmt demokratische Linke ins Visier

Einmal lamentiert Bret Easton Ellis nach Art von US-Präsident Donald Trump: „Ich bezweifle, dass irgendein Autor meiner Generation schlimmere Rezensionen bekommen hat als ich.“

Das schreibt einer, der mit „Unter Null“ Mitte der 1980er erst zum Jung-Star wurde und später mit „American Psycho“ endgültig in den Literaturkanon der Postmoderne einzog.

„Nicht schon wieder Donald Trump“, möchte man bei der Lektüre von Ellis‘ eben auf Deutsch erschienenen Buch „Weiß“ stöhnen – ganz so wie Evelyn in „American Psycho“. In dem wegen seiner Gewaltszenen höchst umstrittenen Roman wirft sie dem massenmordenden Wall-Street-Yuppie Patrick Bateman, der seinem Idol verfallen ist, an den Kopf: „Diese Obsession muss aufhören!“ Auf seine wichtigste literarische Figur kommt Ellis in „Weiß“ immer wieder zurück.

Das Buch ist eine Mischung aus Autobiografie und Zeitgeistanalyse. Darin nimmt der 55-jährige US-Autor die demokratische Linke mächtig ins Visier. Sein um rund zwei Jahrzehnte jüngerer Freund wirft ihm vor, er sei „ein Trump-Apologet“. Dabei gibt Ellis zu verstehen, den Republikaner gar nicht gewählt zu haben.

Auf das Buchcover der Originalausgabe sind neben dem englischen Titel „White“ auch die Wörter „Privileged“ und „Male“ gedruckt. Ellis macht sich zum „privilegierten weißen Mann“ und damit selbst zum Angriffsobjekt des von ihm bekämpften angeblichen Mainstream. „Alle müssen gleich sein“, wirft er vor allem dem Kunstbetrieb vor, „und wenn man sich weigert, in den Begeisterungschor einzustimmen, wird man als Rassist oder Frauenfeind gebrandmarkt.“

In acht Essays arbeitet sich Ellis an allem ab, was ihn an der amerikanischen Gesellschaft stört: Hollywood und Gender, Systemmedien und Entschuldigungsfuror, Millennials und Gesinnungspathos. Selten hat jemand in dieser Schärfe die Geschichte der westlichen Kultur der vergangenen 30 Jahre umrissen. Ellis bleibt bei seiner Argumentation gewollt einseitig und lässt Themen wie Rassismus oder Frauenfeindlichkeit, als würde es sie nicht geben, großteils außen vor.

Das sollte man ihm aber nicht vorwerfen, sondern „Weiß“ lieber als Debattenbeitrag lesen – von einem, der seit jeher ein wenig anmaßend ist. „Ich wollte mich amüsieren, den provokanten, leicht unverschämten und meinungsstarken Kritiker spielen, wollte der böse Bube sein, ein Idiot“, schreibt Ellis. Es muss also gar nicht immer ausgewogen zugehen. Zumindest durchstößt der Autor in Teilen die Filterblasen, in denen es sich die politischen Kreise jeweils gemütlich gemacht haben.

Dabei ist „Weiß“ viel mehr als eine Abrechnung. Ellis wird gerade dort stark, wo er von der Politik Abstand nimmt und den Fokus aufs Persönliche lenkt. Dann zeichnet er die eigene Jugend an der US-Westküste nach, wie er sich recht zeitig zu Horrorfilmen hingezogen fühlte. Er erklärt seinen frühen Ruhm nach dem Debüt „Unter Null“, oder wie er als junger Schwuler in die Big-Apple-Promiwelt einzog.

Niemals glücklicher will er gewesen sein als im Sommer 1991. Damals erscheint mit „American Psycho“ der Roman, der Mode, Lebensgefühl, Kultur, Besessenheit, Gesichtslosigkeit, Pornografie und Gewalt mit äußerst präziser Wucht darstellt. Eines, sagt Ellis, habe er mit Bateman gemeinsam: „Wir ekelten uns vor der Gesellschaft, die uns geschaffen hatte.“ Mit „Weiß“ zeigt er es auf neue Weise. (sef)

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