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Region: BSE: Untersuchungspanne sorgt für Unruhe

Region : BSE: Untersuchungspanne sorgt für Unruhe

Sabine Klein, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale in Düsseldorf, spricht von einem handfesten Skandal: „Gerade haben sich die Verbraucher wieder einigermaßen beruhigt, da geht es schon wieder los. Das ist eine unverzeihliche Schlamperei”, sagt Klein.

Was die Verbraucherschützerin derart auf die Palme bringt, sind die jüngsten Zahlen des Bundesverbraucherministeriums, wonach im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 500 Rinder nicht auf die Rinderseuche BSE getestet worden sind.

Gleichwohl sieht die Ernährungswissenschaftlerin keinen Grund zur Panik. Das Risikomaterial, vor allem Rückenmark, Gehirn und Darm, in dem sich BSE-Erreger finden, werde bereits seit Oktober 2000 beim Schlachten aus dem Verkehr gezogen. In Muskelfleisch seien noch nie BSE-Erreger gefunden worden. Zudem seien 99,95 Prozent der rund drei Millionen Rinder ordnungsgemäß getestet worden. „Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass unter den restlichen 0,05 Prozent eine BSE-kranke Kuh war, ist äußerst gering”, so Klein.

Wie sensibel die Verbraucher nach wie vor auf das Thema BSE reagieren, zeigt der jüngste Fall: Nachdem am Mittwoch bekannt geworden war, dass im Kreis Heinsberg eine Kuh schwarz geschlachtet und nicht wie gesetzlich verordnet auf BSE getestet worden war, liefen am Donnerstag im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Heinsberg die Telefone heiß. Verunsicherte Verbraucher wollten wissen, ob das Fleisch der Kuh ohne BSE-Test in den Verkauf gelangt sei. „Richtig ist, dass die Kuh nicht getestet wurde. Falsch hingegen, dass ihr Fleisch auf den Markt gelangt ist”, sagte am Donnerstag Franz-Josef Franken, Amtstierarzt im Kreis Heinsberg.

In dem konkreten Fall handelt es sich um eine illegale Schwarzschlachtung aus dem Februar des vergangenen Jahres. Demnach sei die Kuh in Folge eines Unfalls privat Not geschlachtet worden, die erforderlichen Fleisch-, Schlachttier- und BSE-Untersuchungen seien aber ausgeblieben. 2003 standen im Kreis Heinsberg 9468 gewerblichen Schlachtungen 860 private Schlachtungen gegenüber.

Wer privat schlachtet und das Fleisch nicht tierärztlich untersuchen lässt, macht sich strafbar. Im konkreten Heinsberger Fall hat die Staatsanwaltschaft laut Franken die Ermittlungen aufgenommen. Für Schwarzschlachtungen sieht der Gesetzgeber ein Strafmaß von bis zu drei Jahren Freiheitsentzug oder eine Geldbuße vor.

2002 war eine Datenbank eingerichtet worden, in der alle BSE-Tests vermerkt werden müssen. Der Vergleich mit der Rinderdatenbank „HIT” (Herkunfts- und Informationssystem Tiere), in die alle Tiere aufgenommen werden, hat die Lücke zwischen der Anzahl der Rinder und der Anzahl der Tests erst aufgedeckt.

Seit Anfang 2001 sind die BSE-Tests vorgeschrieben. Das Gehirn eines jeden geschlachteten Rindes im Alter über 24 Monate muss auf die Erreger des Rinderwahns untersucht werden, bevor das Fleisch verkauft oder verarbeitet werden darf. Die bisher einzige verlässliche Methode, BSE-infizierte Kühe zu identifizieren, ist die Untersuchung des Hirngewebes nach Tötung der Tiere. Die Ergebnisse einer BSE-Untersuchung liegen in der Regel 24 Stunden nach der Schlachtung vor.

Laut Franken liegt der Preis für einen Test bei 33,84 Euro. Hinzu kommen 20,64 Euro für eine Fleisch- und Schlachttieruntersuchung. Bei Hausschlachtungen erhebt der Tierarzt noch einen Zuschlag von 2,90 Euro. „Sie fahren ja schließlich dann auch zu dem Kunden hin”, sagt Franken.

Die Verbraucherschützerin fordert dennoch: „Wir müssen noch mehr kontrollieren. Damit meine ich aber nicht nur das Fleisch, sondern offensichtlich auch die Tierärzte.” Im Saarland hatte im vergangen Jahr ein amtlich bestellter Tierarzt das Fleisch von 25 Rindern ohne Tests freigegeben - eine Anzeige läuft. Deutlich optimiert werden müsse laut Klein auch die Arbeit mit der Datenbank „HIT”. „Da gibt es noch Fehlerquellen.”

Bereits 2002 hatte „Der Spiegel” berichtet, dass die Datenbank fehlerhaft arbeite. Und offensichtlich - das zeigen die neuen Fälle - gibt es bei der Erfassung und Auswertung immer noch erhebliche Defizite. So hat der Computer beispielsweise noch lebende Tiere wiederholt als bereits geschlachtet angegeben.

Vom Ministerium dazu aufgefordert, erfolgte inzwischen in 73 Fällen auch im Kreis Aachen ein Abgleich der Daten. „In 72 Fällen können wir sicher sagen, dass nicht nur geschlachtet, sondern auch getestet wurde”, gab Pressesprecher Holger Benend Entwarnung. In einem Fall sei die Prüfung noch nicht abgeschlossen.