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Düsseldorf: Brücken, Schienen und Statuen: Metalldiebe machen vor nichts Halt

Düsseldorf : Brücken, Schienen und Statuen: Metalldiebe machen vor nichts Halt

Ihre Fundgruben sind Baustellen, Friedhöfe oder Speditionen. Und sie kommen in Massen, tags wie nachts. Metalldiebe haben in Nordrhein-Westfalen schon fast alles mitgehen lassen, was sich einschmelzen und zu Geld machen lässt.

Die Palette reicht vom Kupferkessel aus dem Vorgarten über Bronzestatuen von Friedhöfen, Kanaldeckeln bis zur eisernen Fußgängerbrücke. Bei einer Siegerländer Brauerei transportierten dreiste Diebe auf einen Schlag 366 leere Edelstahlfässer ab. Vergangenes Wochenende stahlen Unbekannte in Dortmund erst einen Lastwagen und dann rund 20 Tonnen Stahlstäbe von einem Firmengelände.

„Man muss davon ausgehen, dass die Täter zum Schrotthändler gehen und das Metall dann eingeschmolzen wird”, schildert Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf einen häufig gewählten Weg des Diebesgutes. Angetrieben werden die Täter von drastisch gestiegenen Metall- und Schrottpreisen. Eine Tonne Schrott bringt schon rund 250 Euro, edleres Metall bereits ein Mehrfaches.

Was die Polizei genau weiß: Die Täter sind meist männlich und verscherbeln das Diebesgut an Schrotthändler und Recyclingunternehmen. Das Tatwerkzeug: Seitenschneider, Schneidbrenner, Gabelstapler und Lastwagen. Das Motto: Schnell aufladen und weg.

Aber die Polizei hat trotzdem ihre Methoden, um die Diebe zu fangen. „Unsere stärkste Waffe ist die Kommunikation zwischen den Polizeidienststellen”, sagt Jürgen Karlisch von der Bundespolizei in Essen, dem früheren Bundesgrenzschutz. Können die Fahnder Spuren vergleichen, gehen Wiederholungstäter schneller ins Netz. „Wir suchen nach Übereinstimmungen.”

Die Bundespolizei setzt dabei auf die Abnehmer. In einer Broschüre beschreibt sie, was Diebe anbieten. Im „Präventionsprogramm der DB AG und der Bundespolizei zur Verhinderung von Bunt- und Altmetalldiebstahl im Bereich der Deutschen Bahn” wird erklärt, was Hehlern blüht und was Diebe gerne stehlen: Kupferhülsen, Schienen, Fahrdrähte oder Erdungskabel. Kürzlich hatten Langfinger selbst vor stromführenden Kabeln nicht Halt gemacht und vermutlich einen heftigen Schlag abbekommen.

Bringen die Diebe Waren zum Händler, müssen sie einen Ausweis vorlegen. Sonst machen sich Schrotthändler und Recycler strafbar. Hegt ein Händler einen Verdacht, muss er die Polizei benachrichtigen. Das gilt auch für große Lieferungen, die angeblich im Auftrag der Bahn oder anderer Unternehmen erfolgen. Da muss ein Auftrag vorgelegt werden.

Bei einem Metallbetrieb im Ruhrgebiet hatte die Polizei Glück. Ein Mitarbeiter hatte regelmäßig Metalle gestohlen und zum Schrotthändler gebracht. Die Firma erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Ein Namensabgleich bei Schrotthändlern deckte die Sache auf.

Mitunter nehmen sich organisierte Banden zu viel vor: In Stolberg bei Aachen sollte der ganz große Kupfer-Coup gelingen. Mit drei gestohlenen Lkw, einem Tieflader und Gabelstapler fuhren die Täter vor einer Firma vor, um 13 Tonnen schwere Kupferplatten aufzuladen. Doch der Stapler erwies sich als zu schwach. Als die Gauner einen Größeren aus der Firmenhalle organisieren wollten, lösten sie Alarm aus. Die Bande verschwand und ließ die gestohlenen Fahrzeuge zurück.

Im sauerländischen Wenden hatte ein Bande mit Edelstahlplatten mehr Erfolg. Sie schaffte es, mit einem gestohlenen Stapler 24 Platten mit einem Gesamtgewicht von mehr als 40 Tonnen zu verladen und wegzuschaffen. Der Schaden: 300.000 Euro. In Oberhausen transportierten organisierte Diebe 40 Tonnen Schienen ab, in Duisburg eine abmontierte eiserne Fußgängerbrücke.

Vor zwei Jahren haben die Polizeibehörden dem Landeskriminalamt (LKA) 44 Metalldiebstähle mit einem Gesamtschaden von 1,4 Millionen Euro gemeldet. 2006 füllen 343 Fälle ganze Aktenordner. Und das sind bei weitem nicht alle. „Wir registrieren nur das, was uns die Polizeibehörden auch weiterleiten”, sagt LKA-Sprecher Frank Scheulen. Die Dunkelziffer dürfte im vierstelligen Bereich liegen.

Von 100 Fällen in der zweiten Jahreshälfte 2006 konnten die Ermittler bei der Bundespolizei immerhin 30 aufklären. Die Bundespolizei im Ruhrgebiet geht von mindestens einem Diebstahl täglich aus. 2005 waren es rund 400 entlang der 1200 Schienenkilometer der Deutschen Bahn im Revier.

Manche Taten ärgern nicht nur den Eigentümer. In Wuppertal kappten Diebe neben den Schienen ein Glasfaserkabel, um an Kupfer zu kommen. Als Nebeneffekt fiel in Gelsenkirchen ein Teil des Telefonnetzes aus.