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Köln: Bruckner-Symphonie mitreißend geboten

Köln : Bruckner-Symphonie mitreißend geboten

„Schelomo”, die „Hebräische Rhapsodie für Violoncello und Orchester” von Ernest Bloch, und Anton Bruckners Dritte Symphonie stellte Eliahu Inbal, an der Spitze des WDR-Sinfonieorchesters Köln, in der Philharmonie einander gegenüber.

Das eine unter dem Eindruck des alttestamentarischen Buches „Der Prediger Salomo” entstandene musikalische Zeugnis jüdischer Geistigkeit, das andere zyklopisches Gebilde eines Genies aus christkatholischer Gläubigkeit. Ein sehr sinn- und gehaltvolles Programm also, das direkt über WDR 3 ausgestrahlt wurde.

Blochs 1916 entstandene Rhapsodie, ein ungemein farbiges, mit archaischen und orientalischen Klängen aufwartendes Werk, fand in dem jungen englischen Solocellisten des Orchesters, Oren Shevlin, einen so souveränen wie temperamentvollen Interpreten des höchst anspruchsvollen Soloparts, der zudem über eine überaus flexible, warme Tongebung verfügte.

Für den Beifall bedankte er sich mit einer witzigen halsbrecherischen Caprice, zu der ihm ein Cello-Kollege assistierte. Nach dem eindrucksvoll-ernsten Bloch ein wenig zu leichtgewichtig.

Inbal bot einen besonderen Bruckner: Er liess die kühne Erstfassung der Symphonie von 1873 spielen, jene Partitur, die Bruckner seinem Idol Wagner widmete und überreichte.

Gemessen an der zumeist aufgeführten, zusammengestrichenen und geglätteten Endfassung von 1889 wirkt diese Urfassung wie ein erratischer Block, ungefügig, aufregend, ja herausfordernd, aber auch weit organischer und ursprünglicher.

Die vielen klanglichen Härten und den Fluss hemmenden Zäsuren schönte Inbal, der das Werk mit der ganzen Inbrunst und leidenschaftlichen Hingabe des überzeugten Propheten hinstellte, keineswegs, wenn er auch durch zügiges Überspielen der „Löcher” den großen Zusammenhang jederzeit zu wahren wusste.

Wenn man das Werk so überzeugend, ja mitreißend in den Griff bekommt, wie es Inbal hier gelang, kann es für den Bruckner-erfahrenen Hörer keinen Zweifel mehr daran geben, welche der drei Fassungen dieser Dritten Bruckners die Krone gebührt.

Der Hingabe des Dirigenten entsprach das nicht minder konzentrierte Mitgehen des WDR-Sinfonieorchesters, das sich in Hochform präsentierte, was vor allem für das strapazierte schwere Blech gilt. Am Ende einhelliger Jubel.