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Neuss: Bronzezeit mit „bodenfrischen Funden” dokumentiert

Neuss : Bronzezeit mit „bodenfrischen Funden” dokumentiert

Die kulturellen Wurzeln Nordwestdeutschlands gräbt eine umfangreiche Archäologie-Ausstellung in Neuss aus. Mit rund 320 Fundstücken dokumentiert das Clemens-Sels-Museum ab Freitag die Bronzezeit und ältere Eisenzeit zwischen Westfalen und den Niederlanden.

Gezeigt werden unter anderem Grab- und Opferfunde wie reich gezierte Bronzeschwerter, Schmuck oder Urnen. Im Mittelpunkt der Ausstellung „Bronzestreif am Horizont”, die bis zum 28. Oktober dauert, steht die nach jüngsten Forschungen überraschend „moderne” Zeit von etwa 1800 bis 450 vor Christus.

„Bodenfrische Funde”, konservierte Pflanzenreste und Tierknochen belegten, dass etwa im Rheinland damals bereits eine hoch entwickelte Kulturlandschaft mit Ackerbau und Viehzucht bestanden habe, sagte Ausstellungskurator Carl Pause am Donnerstag. „Das ist der Grund, warum später die Römer überhaupt bis hier gekommen sind.”

In der Zeit Homers und Trojas, das mit einer Sammlung von Schliemanns Scherben in der Ausstellung vertreten ist, hat mit dem Entstehen einer noblen Kriegerschicht das Mittelmeer kulturell bis an den Niederrhein ausgestrahlt, erklärt der Wissenschaftler. Formschöne Bronzebeile und mit reichem Dekor gegossene Schwerter in den Neusser Vitrinen finden sich ganz ähnlich im östlichen Mittelmeer, mit dem der Norden über Handelswege „vernetzt” war.

Das Design kostbarer Bronzegefäße imitierte man im bescheidenen Norden mit großen Tontöpfen; zur geometrischen Rautenbemalung einer bauchigen Urne nebst rötlichem Deckel diente importiertes Grafit. Rätselhaft bleibt ein halbmondförmiges Tonfragment, das für manche Wissenschaftler das Idol eines Mondkultes ist. Eine kleine Tonscherbe aus dem Braunkohlerevier zeigt ein „Strichmännchen” mit Schwert und Schild, wie es auch auf Felsritzungen in den Alpen vorkommt. Feuersteinwerkzeuge aus Eisenzeit-Siedlungen beweisen, dass uralte Steinzeittechnik auch in der Metall-Frühzeit des Nordens noch nicht ausgedient hatte.

Die Neusser Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben aus mehr als 20 Museen und Privatsammlungen versteht sich als ein Kapitel der bis zum 6. Januar im Rheinischen Landesmuseum Bonn geöffneten Dokumentation über die Kelten, Römer und Germanen.