Aachen: Brodelnder Vulkan: Fazil Say fasziniert beim Aachener Meisterkonzert

Aachen: Brodelnder Vulkan: Fazil Say fasziniert beim Aachener Meisterkonzert

Es ist unmöglich, von Fazil Say nicht fasziniert zu sein. Das untermauerte einmal mehr der Auftritt des türkischen Pianisten zusammen mit dem Orquestra Filarmónica de Gran Canaria mit seinem Chefdirigenten Pedro Halffter im 5. Meisterkonzert in Aachen.

Say ist sicherlich eine der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten des internationalen Musikbetriebs, ein brodelnder Vulkan, der jeden Augenblick ausbrechen kann. Wie weiland Glenn Gould singt er ganze Passagen lautstark mit, zeichnet mit seinen Händen und Armen musikalische Phrasen nach, wirkt wie entrückt. Zu all dem hatte er in diesem Konzert ausgiebig Gelegenheit, spielte er doch gleich zwei Klassiker der Klavierliteratur: Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur und George Gershwins „Rhapsody in blue”.

Die Kombination ist insofern sinnvoll, als beide Stücke starke Jazz-Elemente enthalten. Fazil Say spielt diese Musik mit äußerster rhythmischer Prägnanz, hat dabei auch das Feeling für ihre feinen agogischen Schwingungen. Vielleicht fehlt bei seiner Ravel-Interpretation etwas spielerische Leichtigkeit, vielleicht hat man die unendliche Melodie des langsamen Satzes auch schon poetischer gehört. Aber hier ist ein Künstler am Werk, der sich völlig mit der Musik identifiziert, dem dabei alle spieltechnischen Voraussetzungen problemlos zur Verfügung stehen. Dabei macht er es seinem dirigierenden Partner nicht leicht, nimmt er sich doch Freiheiten bei den Tempoveränderungen, die immer spontan wirken.

Bei Ravel hätte man sich vom Orchester mehr klangliche Initiative gewünscht, bei Gershwin war manches nicht genau zusammen. Dennoch: fulminantes und aufregendes Klavierspiel, das mit Says Zugaben, jazzig aufgemotzten freien Improvisationen über Gershwins „Summertime” und Mozarts „Alla turca”, noch eine Steigerung fand.

Folkloristische Klänge

Im zweiten Teil ging es mit Manuel de Fallas Ballett „Der Dreispitz” und Cristóbal Halffters „Tiento del primer tono y batalla imperial” andalusisch-folkloristisch zu. Der elegante Dirigent Pedro Halffter, Sohn des Komponisten Cristóbal, ließ die Flamenco-Kastagnetten-Klänge lustvoll ausspielen und legte sich keine dynamische Zurückhaltung auf. Raffiniert Halffters Klangmixtur eines Schlachtengemäldes, das auf Renaissance- und Barockstücke zurückgreift und sie mit den Mitteln des modernen Orchesters mit Clusterbildungen zu großer Wirkung führt.

In die Linie machtvoll-folkloristischer Klangentwicklung passte mit den „Estancias” des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera auch die Zugabe. Das Orchester aus Gran Canaria zeigte sich dabei in bestem Licht, und das Publikum war begeistert.