„Meine beste Zeit hat begonnen“: Bratschist Nils Mönkemeyer gastiert im Aachener Krönungssaal

„Meine beste Zeit hat begonnen“ : Bratschist Nils Mönkemeyer gastiert im Aachener Krönungssaal

„Mit der Bratsche habe ich ein Instrument gefunden, das meine innere Stimme nach außen trägt“, sagt Nils Mönkemeyer im Interview mit unserer Zeitung. „Zugleich gibt es in der Bratsche oder Viola etwas, das sie nicht ganz preisgibt, ein Geheimnis und daraus entsteht eine magische Verbindung mit dem Publikum.“

In Aachen wird sein Konzert beim Verein Accordate am Sonntag, 24. März, 18 Uhr, im Krönungssaal des Rathauses unter dem Motto „Nachgesänge“ stehen.

Ist der Virtuose, Jahrgang 1978, geboren in Bremen, ein Romantiker? „Zumindest ist es ein romantisches Programm“, verrät er, der die dunklen melancholischen Klangfarben seines Instruments besonders mag. Wie so oft hat er eine Komposition eingeplant, die vermutlich nur Experten kennen: eine Sonate der Engländerin Rebecca Clarke, komponiert 1919 für einen Wettbewerb. Sie war gleichfalls Bratschistin und hat das Werk, mit dem sie sogar gewonnen hat, anonym eingereicht. „Man dachte, es wäre von Maurice Ravel“, erzählt Mönkemeyer amüsiert. „Frauen, die komponierten, hatten damals nicht viel Ansehen, heute hätte sie vermutlich mehr Chancen.

Als das damals bekannt wurde, war der Skandal groß.“ Er jedenfalls schwärmt für diese Sonate. „Es ist ein fantastisches spätromantisches Stück, wunderbar sinnlich!“ Auf dem Programm steht zudem die große A-Dur-Sonate des belgischen Komponisten César Franck, die der Komponist ursprünglich für Violine geschrieben hat. „Es gibt eine Fassung für Cello, die ich auf der Bratsche spielen werde“, berichtet Mönkemeyer.

Musik ist für ihn einerseits höchste Disziplin, andererseits aber eine große Freiheit. „Jeder hat beim Hören von Musik eine eigene Fantasie, Bilder, die sich durch Klänge entwickeln, die möchte ich wecken“, betont der Musiker. Bei seinen zahlreichen CD-Produktionen und Tournee-Programmen schlägt er den Bogen vom Barock bis zur Gegenwart, schreibt manchmal Werke für die Bratsche um, denn die Kompositionen auf diesem Gebiet sind relativ rar.

Es gibt zudem Entdeckungen. Bei stundenlangen Zugfahrten nutzt er gern die Zeit, um virtuell in Musikarchiven zu stöbern oder sich mit Musikwissenschaftlern auszutauschen. „Ich habe nicht unbedingt Vorlieben für eine bestimmte Zeit, die größte Herausforderung ist es doch, sich auf die unterschiedlichen Klangsprachen einzulassen“, meint Mönkemeyer. „Wir haben heute die Möglichkeit, diese Vielfalt zu zeigen. Im Barock hat man nur Barockwerke gespielt, später galten sie als unmodern und wurden vernachlässigt.“

Er selbst ist ein Perfektionist, der an sich die höchsten Ansprüche stellt – auch an seine Studenten. „Da kann ich ganz schön besessen sein“, gesteht er. „Aber ich will mich bessern.“ Seit 2011 ist Mönkemeyer Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München, an der er selbst bei Hariolf Schlichtig studiert hat. Zuvor war er bereits in Dresden und an der Escuela Superior Musica Reina Sofia Madrid im Einsatz.

„Da war ich kaum älter als meine Studenten“, erinnert er sich heute an eine prägende Zeit. Was will er seinen Studenten – außer guter Technik – mitgeben? „Sie sollen zu sich selbst stehen lernen, sich vertrauen, ihre Intuition erkennen und ihr folgen, erst das macht einen Musiker glücklich, das muss man lernen“, betont er. Und die Zweifel? „Da halte ich es mit Rilke, der sagt, dass man den Zweifel als guten Ratgeber zulassen sollte.“

Kurz nach dem 40. Geburtstag spürt er eine besondere Kraft. „Ich habe das Gefühl, meine beste Zeit hat begonnen“, sagt er nachdenklich. „Ich habe bereits Erfahrung und eine Menge Hintergrund, mein Körper macht aber noch alles mit, ist frisch.“ Älter werden empfindet er als deutlichen Zuwachs von „Zwischentönen“, die sich im Musizieren bemerkbar machen. Und diese Erfahrungen möchte er weitergeben.

Projekt „Klassik für alle“

Mit der Caritas Bonn hat Mönkemeyer daher das Kammermusikfestival „Klassik für alle“ gegründet. „Es gibt Menschen, für die ist ein Konzertbesuch einfach zu teuer“, betont der Künstler, der eine Enge Bindung und viele Freunde in der Stadt hat. „Das Festival bietet allen die Chance, Musik zu hören. Es rührt auch an den Grund, warum ich überhaupt Musik mache – um Menschen zusammenzubringen, Musik sorgt für Gemeinschaft.“ Zum dritten Mal gastiert er daher vom 9. bis 12. Mai im Beethovenhaus, im Schumannhaus, dem Museum Koenig und der Doppelkirche Schwarzrheindorf. Interessierte können ein Ticket und ein „Patenticket“ erwerben. Sozialarbeiter der Caritas vergeben die Karten dann an Interessenten.

Mönkemeyer ist international unterwegs, gastiert beim Wiener Musikverein, in Amsterdam, London, Barcelona, Genf und Berlin, steht auf den Podien der Elbphilharmonie, der Kölner und Dresdner Philharmonie, tritt bei Festivals auf, pflegt zusätzlich kammermusikalische Projekte – unter anderem mit dem Pianisten William Youn, der ihn nach Aachen begleitet. „Musizieren mit Freunden tut gut“, sagt er. „So richtig Zeit für Hobbys habe ich ja nicht, aber zum Beispiel nach der Musik zusammen kochen, das macht mir Spaß.“