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Aachen: Böhm hat „vielen Menschen Mut gemacht”

Aachen : Böhm hat „vielen Menschen Mut gemacht”

Karlheinz Böhm ist mit der Martin-Buber-Plakette der Euriade ausgezeichnet worden. WDR-Intendant Fritz Pleitgen würdigte in seiner Laudatio vor allem das Lebenswerk des Ex-Schauspielers rund um seine Stiftung „Menschen für Menschen”.

„Es war keine intellektuelle Überlegung, sondern eine instinktive oder emotionale, die mich gelehrt hat, dass es eine Sprache auf der gesamten Welt gibt, die alle sprechen, wenn sie wollen: die Arme weit ausbreiten und mit ehrlichem Lächeln auf die Menschen zugehen. Das war meine Basis der Kommunikation.” Mit rührenden Worten dankte Karlheinz Böhm am Freitag Abend in der Abtei Rolduc in Kerkrade für die Auszeichnung mit der Martin-Buber-Plakette der Euriade.

Martin Buber, den großen jüdischen Religionsphilosophen (1878-1965) und Namensgeber der Plakette, nannte er in seiner Rede „lieber Bruder”. In seinem Geiste, in der philosophischen Grundkategorie des „Du”, sieht Böhm die Wurzeln seiner eigenen, 23-jährigen Arbeit für die Stiftung „Menschen für Menschen”.

„Seit fast zweieinhalb Jahrzehnten versuche ich jetzt, meine Gedanken über die Verpflichtungen, die wir als Lebewesen mit einem Intellekt in dieser, unserer Natur auf unserem gemeinsamen Planeten haben, in die Tat umzusetzen.” Während die Menschen ganze Industriezweige unterhielten, die keinen anderen Sinn hätten, als Waffen herzustellen, „die zu immer grausameren Vernichtungsmethoden der menschlichen Gesellschaft gehören”.

Lang anhaltender Beifall

Mit lang anhaltendem Beifall bedachte das Publikum ehrfurchtsvoll jenen Mann, dessen Leben sich 1981 nach einer „Wetten, dass...”-Sendung so dramatisch verändert hatte. Aus dem Schauspieler wurde der Gründer der Stiftung „Menschen für Menschen” und der unermüdliche Helfer für unzählige hungernde Menschen in Äthiopien.

Gleich zwei Laudatoren würdigten zuvor Böhms Lebenswerk: WDR-Intendant Fritz Pleitgen und die Schauspielerin Andrea Jonasson, die sich seit 1997 für Böhms Stiftung auf vielfältige Weise einsetzt.

Von der „heilen Welt” der Sissy-Filme über den Abstecher nach Hollywood, zurück zum Theater und zum deutschen Fernsehen bis hin zu vier Fassbinder-Filmen - Pleitgen ließ zunächst die künstlerische Karriere Böhms Revue passieren.

Urlaubsreise als Schlüsselerlebnis

Eine Urlaubsreise wurde dann zum Schlüsselerlebenis: „Ein Hotelangestellter nimmt ihn mit in die Slums von Mombasa und Nairobi, Böhm sieht zum ersten Mal mit eigenen Augen ein Dritte-Welt-Land.” Er sollte das Gesehene nie vergessen. Dann jener 16. Mai 1981, die „Wetten, dass”-Sendung”: „Er wollte das Hungerelend in der Sahelzone ansprechen und verpackte das in eine Wette, dass nämlich nicht einmal ein Drittel aller Fernsehzuschauer eine Mark spenden würden für diese notleidenden Menschen. Sollte er, Böhm, diese Wette verlieren, würde er nach Afrika gehen und dort persönlich helfen, so sein Versprechen.”

Böhm gewann die Wette, es kamen eineinhalb Millionen Mark zusammen. „Trotzdem macht er sich ein halbes Jahr später auf nach Afrika.” Die Spendenbilanz seiner Äthiopienhilfe seither: „Bis heute summiert sich das auf sagenhafte 175 Millionen Euro.” Und Pleitgen zählte auf, wie die Hilfe im einzelnen aussieht: vom Brunnenbauen über die Wiederaufforstung abgeholzter Wälder bis zum Betreiben von Krankenstationen.

Aus eigenem Erleben schilderte Andrea Jonasson, wie Böhm sich „mit letzter Energie für diese seine Menschen einsetzt”: „Über die Umarmung findet Böhm zu den Menschen, ist er einfach zwischen ihnen voll Vertrauen als einer von ihnen. Damit verbreitet er Hoffnung bei jenen, die von Armut, Hunger, Krankheit, Kriegen und Ausweglosigkeit gekennzeichnet sind.”

Eigene Sinnkrise

Irgendwann, bekannte die Schauspielerin, erlebte sie bei sich selbst die Sinnkrise: „War das alles? Wo bleibst du als professionelle Schauspielerin in dieser Big-Brother- und Girls-Camp-Zeit? Ich wollte einfach nützlich sein. Für andere, für Kinder, eben Afrika.” Sie endete mit den Worten: „Lieber Karlheinz, dein Schritt war mutig und hat vielen Menschen ungeheuer viel Mut gemacht. Dir brachte diese Verwandlung über die Rückwendung zum Anderen die Begeegnung mit Liebe und Wahrhaftigkeit, den wohl höchsten Gütern des Lebens.”

Zu Beginn der Feier legte Euriade-Intendant Werner Janssen in seiner dritten Internationalen Martin-Buber-Lesung einige Grundlehren in der Philosophie Martin Bubers aus, darunter den Sinn eines echten Gesprächs, die Bedeutung des Vertrauens und des Umarmens als eine Grundgeste der menschlichen Begegnung.