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Aachen: Bob Dylan und Vermeer lenken die Hand

Aachen : Bob Dylan und Vermeer lenken die Hand

Ist das jetzt alt oder neu - oder nur auf alt gemacht? Verwirrend und faszinierend sind die Gemälde, fallen in ihrer Art der alten Meister stilistisch aus dem zeitgenössischen Rahmen und sind doch ganz mit dieser Zeit verbunden.

Wunderschöne Frauen finden ihren Weg auf den mit eigenwilliger Technik hergestellten Untergrund, aber auch Tiere, immer wieder Tiere - und fast alle haben sie ein Kaninchen auf dem Kopf.

Die Grimmigkeit von überdimensionalen Löwen und Tigern wird hier im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt. Da fangen die schwersten Elefanten an zu schweben, und die Frage ist plötzlich, ob Selma Hayek Frida Karlo ist oder umgekehrt.

Wer durch die Ausstellung „Im Auge des Tigers - eine Befragung der Moderne” im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum wandelt, der wird eingefangen von der Welt des Aachener Malers Eric Peters.

250 Besucher kamen zur „Preview”, 500 zur Vernissage - die Werkschau sorgt für Furore und die Veranstalter erwarten für die Finisage noch einmal einen Ansturm.

So sehr die Bilder von Eric Peters für Aufregung sorgen, entstehen sie doch in absoluter Ruhe: Das Atelier liegt hinter dem Haus, am Ende des kleinen Gartens. Über ein paar Stufen gelangt der Besucher in den rund 60 Quadratmeter großen, hohen Raum, der durch Dachfenster in diffuses Licht getaucht wird.

An den Wänden hängen großformatige Bilder, zwei Sofas laden zum eingängigen Betrachten ein. Auf Staffeleien, dem Zeichen- und dem Werktisch finden sich Arbeiten in unterschiedlichen Stadien, Materialien und Werkzeuge sind im Raum verteilt oder sammeln sich in Regalen.

„Ich bin sehr glücklich, diesen Raum zu haben”, sagt Peters über sein Refugium. „Ich brauche etwas Ruhe, um arbeiten zu können.” Arbeiten.

Der 53-Jährige sieht sich bewusst als Maler und nicht als Künstler - vielleicht, weil er nicht immer Maler war: Nach einem FH-Studium begann die Laufbahn von Eric Peters in den 70er Jahren mit Rauminstallationen. Damals wurde er zu den „jungen Wilden” gezählt: „Wir wollten weg vom Gegenständlichen”, erklärt Peters.

Erst in den späten 70er Jahren hat er mit der Malerei angefangen und blieb auch dort zunächst der abstrakten Kunst verbunden. „Ich habe Anfang der 80er Jahre gearbeitet, wie man damals gearbeitet hat: Wir hatten große Pläne, die Kunst zu befreien.”

Dann kam der Wandel, „der Weg zum Gegenständlichen”, den Peters „Stück für Stück” beschritten hat und der aus ihm einen Maler gemacht hat. „Ich habe am Anfang selber vor meinen Bildern gesessen und gedacht: Das sieht aber komisch aus.”

Gleichzeitig sei diese Erfahrung auch faszinierend gewesen: „Es war verblüffend festzustellen, dass ich das kann.” Doch dann hat er seinen Weg gefunden, der ihn immer weiter in die Malerei hineinführte, von der er heute sagt, sie sei das Einzige, worum es ihm gehe.

Die Bilder von Eric Peters sind Schnittstellen, an denen Realtität immer eine eigene ist und Sehen eine Frage des Blickwinkels: „Ich habe im Kino den Film ,Das Mädchen mit dem Perlohrring gesehen, der sich mit dem Leben Vermeers beschäftigt”, berichtet der Maler.

In dem Film verkörpert die sehr gut ausgesuchte Hauptdarstellerin Scarlet Johannson das Mädchen aus dem berühmten Gemälde des holländischen Altmeisters. Und dieses Bild wird nun im Kino überdimensional groß auf die Leinwand projiziert.

Doch Eric Peters fällt auf, dass Scarlet Johannson blaue Augen hat, das Mädchen in Vermeers Gemälde jedoch braune. „Das war für mich die Gelegenheit, einen Vermeer zu malen, ohne einen Vermeer zu malen”, sagt Peters, der Scarlet Johannson als seine Version des „Mädchens mit dem Perlohrring” präsentiert.

Peters hat ein Faible für Literatur. Bestimmte Einflüsse mag er jedoch nicht nennen, denn „alles nimmt Einfluss”. „Ich reflektiere die Dinge allerdings beim Malen nicht, sie kommen eher aus dem Unterbewussten.”

Mitunter werden Zusammenhänge erst im Nachhinein klar - mit anderer, älterer Malerei und Kunst, mit einer Liedzeile aus einem Stück von Bob Dylan oder mit einer Romanfigur.