1. Kultur

Hamburg: Bob Dylan mit Gitarre auf Tour

Hamburg : Bob Dylan mit Gitarre auf Tour

Es ist ein besonderer Moment für seine Fans, als Bob Dylan am Mittwochabend in der Hamburger Color Line Arena beim Auftakt seiner aktuellen Deutschland-Tour zur Gitarre greift.

In den vergangenen Jahren hatte er sich auf das Keyboard beschränkt - mit der Begründung, dass Finger und Rücken nicht mehr mitmachten. Entsprechend großen Jubel gibt es für sein Eröffnungsstück „Cat´s In The Well”, obwohl dieser fast vergessene Song aus den 80er Jahren ebenso wenig zu seinem Ruhm beigetragen haben dürfte wie seine Gitarrenkünste.

Doch für Dylans Anhänger ist es schön zu sehen und zu hören, dass er mit seinen 65 Jahren nicht nur voller Energie singen und rocken, sondern sogar wieder Gitarre spielen kann; fragen sich doch bei jedem Auftritt viele seiner Anhänger, wie lange der Rock-Poet die „Never Ending Tour” fortsetzen wird. „Ich weiß ja nicht, ob ich ihn noch mal zu sehen kriege”, zweifelt eine Konzertbesucherin aus Hannover. „Darum habe ich mich über seine wunderbaren alten Stücke besonders gefreut.”

Der Musiker ist gut bei Stimme und singt eindringlich. Sein Einsatz an der Gitarre macht Freude, doch die Mundharmonika nimmt er nur für wenige kurze Soli in die Hand. Vor allem mit seinen älteren, berühmten Stücken wie „Masters Of War”, „Like A Rolling Stone” und „All Along The Watchtower” erntet er viel Applaus. Dylan selbst scheint mehr Spaß an den neuen Songs von seinem 2006 veröffentlichten Album „Modern Times” zu haben. Die sechs Stücke, die er daraus spielt und singt, werden die Glanzpunkte des Abends.

Dylan und seine fünfköpfige Band verzichten auf jede Art von Show: Nach den ersten vier Stücken des zwei Stunden langen Konzerts zieht sich der kauzige Künstler hinter sein Keyboard zurück, wendet das unter einem Hut versteckte Gesicht ab und ignoriert sein Publikum mit gewohnter Beharrlichkeit - Pech vor allem für die Zuschauer auf den Rängen der rechten Seite, von wo sie nur den schmalen, gebeugten Rücken des berühmten Songschreibers sehen können.

Nicht minder ungerührt bearbeiten Danny Freeman und Stu Kimball (Gitarre), Donnie Herron (Steel Gitarre und Geige), Tony Garnier (Bass) und George Recile (Schlagzeug) ihre Instrumente. Was dabei herauskommt, ist professionell heruntergespielte, aber streckenweise leidenschaftslose Musik. Vor allem bei rockigen Stücken verschwimmt die Musik zu einem akustischen Brei, in dem die einzelnen Instrumente untergehen.

Störend wirkt auch die sterile Atmosphäre der Arena, wo zahllose Sicherheitskräfte durchs Publikum patrouillieren und misstrauisch darüber wachen, ob jemand etwas Verbotenes tut. Verboten ist fast alles. Als ein Paar es wagt, bei einem romantischen Stück Wunderkerzen anzuzünden, stürzen gleich zwei Aufpasser herbei, um die Funkensprüher auszutreten.

Doch die Begeisterung der Dylan- Fangemeinde kann so etwas nicht schmälern. „Er wirkte wach, hat gut gesungen und hat etwas zu sagen”, lautete das Fazit des Konzertbesuchers Tom Deluny aus Hamburg.

Weitere Stationen: Düsseldorf (19. April), Stuttgart (20.), Frankfurt (21.), Mannheim (30.), Leipzig (2. Mai) und Berlin (3.).