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Leverkusen: Blühendes Leben über der Giftmüllkippe

Leverkusen : Blühendes Leben über der Giftmüllkippe

Die Landesgartenschau 2005 in Leverkusen wird eine ausgebaggerte und abgedeckte Deponie der Bayer Werke zur Erlebnislandschaft machen. 8.500 Dauerkarten für die Öffnungszeit vom 16. April bis 9. Oktober sind verkauft.

„Am Anfang war alles wüst und leer.” Der Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte kommt vielen in den Sinn, die sich mit der Vorgeschichte der Landesgartenschau (Laga) 2005 in Leverkusen beschäftigen. Denn wo jetzt schon die ersten Sträucher, Stauden, Büsche, Bäumchen und anderen Pflanzen gegen die Unbilden der Witterung ankämpfen, wurden einst in der so genannten „Dhünnaue” von 1923 bis Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf der Müllkippe der Bayer AG in unmittelbarer Nähe von Werk und Rhein Bauschutt, Hausmüll und Chemie-Rückstände ohne Rücksicht auf Verluste abgeladen. Davon ist jetzt noch nicht einmal etwas zu ahnen.

Die nächste Landesgartenschau, die am 16. April 2005 eröffnet wird und jetzt schon Gestalt annimmt, erzählt also gleich mehrere Geschichten. Zum Beispiel die: dass die damalige Gemeinde Wiesdorf, die 1930 mit anderen Kommunen in der neuen Stadt Leverkusen aufgegangen ist, einst auf die Anschüttung des giftigen Mülls gedrungen hat - als Hochwasserschutz. Aber auch jene: dass Menschen ein mit Gewalt gefälltes Öko-System durch den Einsatz von Baggern und moderner Technologie, darunter spezielle Folien, wieder aufrichten können.

Auf jeden Fall macht sich Leverkusen, das im kommenden Jahr den 75. Jahrestag seiner Gründung feiert, damit ein schönes Geburtstagsgeschenk. Für die Stadt, so die Laga-Pressesprecher Irmgard Schenk-Zittlau und Frank Stupp, besitzt das Gelände darüber hinaus reichende Bedeutung: War sie bisher durch eine breite Phalanx von Bayer-Produktionsanlagen und dazu gehörige Areale wie die alte Dhünnaue vom Rhein abgegrenzt, erhält sie jetzt über den Park einen direkten Zugang zum Strom. Aus etwas Zerstörtem entsteht etwas lebendiges Neues. Darum heißt die Leverkusener Laga auch im Untertitel „Neuland entdecken”.

Vision der Planer

Derzeit wird ein Anleger für die Schiffe der Köln-Düsseldorfer und der Zonser Reederei gebaut. Einer der spektakulärsten Präsentationen ist derweil noch gar nicht vor Anker gegangen. Ausgediente Elbkähne sollen mit Muttererde befüllt werden und die Blumengärten aufnehmen. Wie Semiramis im alten Babylon die Welt mit ihren hängenden Gärten in Erstaunen versetzte, so sehr möchten die Leverkusener das mit der schwimmenden Version versuchen - zumindest landesweit.

Noch gibt es diese Attraktionen nur als Vision der Planer. Vieles andere, was an den 177 Öffnungstagen bis zum 9. Oktober die Besucher beeindrucken soll, hat jedoch schon jetzt Gestalt auf dem rund 50 Hektar an Fläche messenden Terrain Gestalt angenommen. Klar ist schon die Topografie des Essener Landschaftsarchitekten Rüdiger Brosk, zu deren wesentlichen Elementen der „Bumerang” gehört, erkennbar. Weithin sichtbar strahlt, eine kräftige Wintersonne vorausgesetzt, die Blechverkleidung des Windrades auf der „Ebene der Energie”. Doch das Windrad ist mehr als nur das: Aus seinem Bauch ragt eine Rutsche. Ebenfalls die Kinder erfreuen soll „Das große Kuddelmuddel”, ein buntes dekonstruktivistisches Spektakel mit Kabine zwischen hölzernen Stelzen, die auseinander zu fallen scheinen wie die Stäbchen eines Mikado -Spiels.

Das Grün, der eigentliche Star jeder Gartenschau, muss auf den 550.000 Quadratmetern aufgeschütteten Erdreichs erst noch wachsen. Aber die Natur lebt schon jetzt wieder auf: Wo es bis 2000 kaum noch einen lebenden Organismus gab, ist wieder eine geschlossene Rasendecke. Auch Bäume gibt es schon - zwei Säuleneichen etwa, den Opfern des 11. September 2001 zum Gedenken gepflanzt von US-Profis aus dem Basketball-Team von Bayer Leverkusen.

Ehrenamtliche Führer

Auch sonst sehen die beiden Laga-Pressesprecher Schenk-Zittlau und Stupp genügend Grund zum Optimismus. Mehr als 8.500 schon verkaufte Dauerkarten, über 120 rekrutierte ehrenamtliche Führer, 144 schon akquirierte Baum- und Bankspenden stimmen sie hoffnungsfroh.