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Berlin: „Blechtrommel” und „Butt” sind seine berühmtesten Werke: Günter Grass wird 75

Berlin : „Blechtrommel” und „Butt” sind seine berühmtesten Werke: Günter Grass wird 75

Der in Danzig geborene Schriftsteller Günter Grass, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, ist der in aller Welt wohl bekannteste deutsche Autor der Gegenwart - spätestens seit er 1999 den Literaturnobelpreis erhielt.

Das 1959 erschienene Buch „Die Blechtrommel” war nach Ansicht des Nobelpreis-Komitees die „Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert”.

Seit den „Buddenbrooks” von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, urteilte das Nobelpreis-Komitee über seinen Roman „Die Blechtrommel”.

Günter Grass, der am Mittwoch 75 wird, habe damit ein Buch verfasst, das zu den „bleibenden literarischen Werken des 20. Jahrhunderts gehören” werde.

Der heute bei Lübeck wohnende Autor von „munterschwarzen Fabeln” hat als ständiger „Trommler” in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen nicht nur Zustimmung, sondern auch Zorn und Empörung wie kaum ein anderer Kollege auf sich gezogen.

Das begann schon, als er 1969 als „EsPeDe”-Redner für Willy Brandt in die Wahlkampf-Arena trat.

Grass versteht sich nicht als Schriftsteller im „Elfenbeinturm”, sondern wie schon sein Nobelpreis-Vorgänger Heinrich Böll auch als „öffentlicher Moralist”, als unbequemer „citoyen”, wie er es selber auszudrücken pflegt.

So protestierte er gegen „reaktionäre Bundespolitik” und „Skinheads mit Schlips und Scheitel” wie auch gegen „Unterdrückung der Freiheit in der DDR”. In seinem politischen Engagement sehen Kritiker aber auch einen Teil der ästhetischen Problematik bei Grass, weil sie den literarischen Stil gefährdet sehen.

Das war für viele Kritiker das Hauptproblem bei der Treuhand-Abrechnung „Ein weites Feld”, jenem Roman, den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki als „völlig missraten kritisiert hatte.

Der Roman „Der Butt” über die Kochkunst und die Geschichte der Geschlechter-Beziehungen gehörte zu den meistgelesenen Büchern der 70er Jahre in Deutschland, seine apokalyptische „Rättin” fand 1986 dagegen ein eher zwiespältiges Echo.

In die Literaturgeschichte ist der „Malerpoet” Grass vor allem mit seiner „Danziger Trilogie” eingegangen. Sie umfasst neben der „Blechtrommel” die Bücher „Katz und Maus” und „Hundejahre”.

Mit einem Paukenschlag überraschte der damals noch unbekannte Kaschube aus Danzig, der heute Ehrenbürger von Gdansk ist, Ende der 50er Jahre die literarische Welt, als er mit der „Blechtrommel” ein deutsches Historienpanorama und den Lebensrückblick des zwergwüchsigen Oskar Matzerath vorlegte.

Es ist ein Roman mit einer besonders kraftvoller Sprache, der bis heute millionenfach verkauft und von Volker Schlöndorff auch erfolgreich verfilmt wurde - der Film errang sogar einen Oscar-Preis.

Bis heute sieht sich Grass immer wieder gesellschaftspolitisch herausgefordert und in die Pflicht genommen. Das führte bei dem „gelernten Sozialdemokraten” und „Wahltrommler” bis hin zum Austritt aus der SPD wegen der seiner Meinung nach falschen Asylpolitik der Partei oder zum Austritt aus der Berliner Akademie der Künste, deren Präsident er einmal war, weil die Künstlersozietät dem bedrohten Kollegen Salman Rushdie kein Obdach gewähren wollte, wie Grass meinte.

In die Akademie, die auch sein Archiv erhalten hat und ihn zu seinem 75. Geburtstag mit einer umfassenden Ausstellung ehrt, ist er dann wieder eingetreten.

Die deutsche Vergangenheit ist bis heute sein Thema

Grass hat die deutsche Vergangenheit und ihre Verdrängung in der Nachkriegszeit bis zu seinem letzten Buch „Im Krebsgang” über die Flüchtlingskatastrophe im deutschen Osten 1945 immer wieder thematisiert.

Ein Denkmal in seiner Heimatstadt Danzig lehnt Grass zu seinen Lebzeiten ab, Oskar Matzerath darf aber inzwischen als Bronzefigur schoin mal den Platzhalter abgeben.