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Köln: Bittersüße Romantik, herzerweichende Sehnsucht

Köln : Bittersüße Romantik, herzerweichende Sehnsucht

Neil Hannon geht der Ruf voraus, er habe Brian Ferry als Vorzeige-Dandy der Pop-Szene den Rang abgelaufen.

Wer den Iren jetzt im proppenvollen Kölner Prime Club erlebt hat, der weiß einmal mehr: Klischees sind immer nur ein Teil der Wahrheit. Natürlich plaudert der schmächtige Mittdreißiger mit der ungesunden Hautfarbe (der Alkohol! die Zigaretten!) etwas schnöselig auf sein dankbares Publikum ein, doch das ist nie überheblich, sondern immer grundsympathisch. Völlig ironiefrei mag er das, was er da auf der Bühne treibt, und er lässt die Fans gerne dran teilhaben.

Die danken es ihm mit großer Begeisterung. Hannon, das ist der Kopf von „Divine Comedy”, jene Band, die pompös-orchestralen Pop so hingebungsvoll zelebriert wie kaum eine andere.

Doch was heißt schon Band: Hannon schreibt alle Songs und Texte, und von einer festen Besetzung ist schon seit Jahren keine Rede mehr. Sieben Alben hat er so auf den Markt gebracht, das letzte, „Absent Friends”, ist ein einziges Schwelgen in Wohlklang, Pathos und Streichern.

Entfernt fühlt man sich an Morrissey und vor allem Prefab Sprout erinnert, Hannon selbst nennt Jacques Brel und Scott Walker seine Hausgötter.

Beim großen Festival in Haldern hatte er noch ein 20-köpfiges Orchester aufgefahren, die anschließende Clubtour bestreitet er in ganz kleiner Besetzung: drei Mann an Keyboards, Kontrabass, Gitarre oder Banjo.

Das große Wunder: Es funktioniert! Selbst „Our Mutual Friend”, auf der CD ein aufwühlendes Stück Musik aus reinen Orchesterklängen, verliert derart drastisch reduziert nichts von seiner Intensität.

In Köln bietet Hannon einen Querschnitt seines Schaffens; dabei sind so Perlen wie „National Express” oder „Sunrise”, mit denen er das knapp zweistündige Konzert beschließt. Über allem schwebt seine glasklare Baritonstimme, die diese wundervollen Hymnen in höchste Höhen trägt.

Songs voller dramatischer Spannung, bittersüßer Romantik und herzerweichender Sehnsucht, die aber nie klebrig werden oder in aufdringlichem Schwulst ersticken - Musik, die einfach glücklich macht.