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Aachen: Bischof Mussinghoff erntete Empörung

Aachen : Bischof Mussinghoff erntete Empörung

Entsetzen, Wut und Enttäuschung prägen die Reaktionen auf die Sparbeschlüsse von Bischof Heinrich Mussinghoff.

„Das Aachener Bistum behandelt Menschen wie Zahlenkolonnen - die Folgen dieses Kahlschlags wird man nicht mehr gutmachen können”, kritisierte die Bundestagsabgeordnete Christa Nickels (Geilenkirchen) am Donnerstag.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion geht mit Generalvikariat und der Unternehmensberatung Droege & Comp. hart ins Gericht: „Wenn der Generalvikar offenbar nicht einmal die Zahl der Mitarbeiter in seinen 540 Gemeinden kennt, darf er sich doch nicht Droege ausliefern”, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. „Die kennen nur betriebswirtschaftliche Ziele, die Prioritäten der Kirche kennt Droege nicht.”

Langfristiger Widerstand angekündigt

Nickels forderte den Bischof auf, sich mit Verbänden, Ehrenamtlern und den drei diözesanen Räten erneut an einen Tisch zu setzen und das Sparkonzept zu überdenken. Auch die Initiative ZAK (Zukunft Arbeitsplatz Kirche) sucht trotz harscher Kritik das Gespräch. „Das fällt uns sehr schwer”, sagte ZAK-Sprecher Josef Meiers. „Aber unser Angebot für einen Runden Tisch der Vernunft steht nach wie vor.” Zugleich kündigte ZAK langfristigen Widerstand an, wenn es bei den Entscheidungen bleiben sollte. „Aus unserer Sicht sind die Pläne des Bischofs von sozialer Kälte und betriebswirtschaftlichem Kalkül geprägt.”

Meiers prangerte „unnötigen Zeitdruck” und „Missachtung aller Angebote und Ratschläge von Bistumsbeschäftigten, Mitarbeitervertretungen und Räten” an. Ähnlich empörte Reaktionen äußerten Mitglieder des Diözesanrats der Katholiken, des Kirchensteuerrats, der Gewerkschaft Ver.di und Vertreter aus Regionalstellen und Gemeinden. Wegen dramatisch sinkender Einnahmen will Mussinghoff bis 2008 vor allem durch den Abbau von mindestens 370 Vollzeitstellen auf Bistumsebene, Zuschusskürzungen sowie die Zentralisierung von Verwaltung und Bildungsbetrieb den Haushalt um 60 Millionen Euro einschmelzen - hinzu kommt ein „Risiko-Puffer” von fünf bis zehn Millionen Euro.

Geld bei Unternehmen locker machen

Indes wurde bekannt, wie die Diözese ihre Einnahmen ab 2005 um jährlich 700.000 Euro und zusätzlich zum „Weltjugendtag 2005” einmalig um 300.000 Euro aufstocken will. Für das Jugendtreffen will man über ein „Unternehmensfundraising” Gelder locker machen; langfristig richtet sich die „Fundraisingaktion 60+” an ältere Katholiken, die kaum noch Kirchensteuern entrichten. Ein Potenzial von 60.000 Euro pro Jahr sieht der Droege-Entwurf in Miet-Erhöhungen.