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Aachen: Bischof muss Gürtel noch enger schnallen

Aachen : Bischof muss Gürtel noch enger schnallen

Das Schlimmste ist noch nicht überstanden. Nach einer zehnstündigen Sitzung war das radikalste Sparpaket in der Geschichte des Aachener Bistums am Samstagabend verabschiedet, aber allen Teilnehmern des Kirchensteuerrates war klar: Der Gürtel muss in den kommenden Jahren noch viel enger geschnallt werden.

Nach dem Konsolidierungsplan, der nun 45,1 Millionen Euro umfasst, werden kurzfristig weitere Sparziele zwischen 15 und 20 Millionen Euro anvisiert. Die Stimmung in dem Gremium, das den Haushaltsansatz von Generalvikar Manfred von Holtum bereits zwei Mal empört zurückgewiesen und sogar mit einem Misstrauensvotum gegen den Verwaltungschef gedroht hatte, war am Samstag von Sachlichkeit geprägt.

Gute Atmosphäre

„Die Atmosphäre war gut, die Diskussion sehr konstruktiv. Trotzdem: Uns ist klar, dass nachgebessert werden muss”, sagte Kirchensteuerratsmitglied Thomas Müller am Sonntag. „Alle wussten, dass man in einem schrecklichen Dilemma steckt”, erklärte Bistumssprecher Jobst Rüthers. „Und alle wussten auch, dass sie nun Entscheidungen treffen müssen, die richtig weh tun - weil die Rahmenbedingungen nichts anderes zulassen.”

Finanzchef Joachim Eich und die neue Personalchefin Marieluise Labrie trugen dem Rat ausführlich die dramatische Situation vor. Über Stunden diskutierte man im Priesterhaus Maria Rast im Aachener Süden den Sparplan der Bistumsleitung, der zuletzt noch ein wenig in der Zeitschiene bis 2008 gestreckt wurde. „Deswegen ist eine Kreditaufnahme in den kommenden Jahren nicht zu vermeiden”, bestätigte Rüthers. Er widersprach Darstellungen, wonach eine höhere Kreditaufnahme weitere Arbeitsplätze im Bistum retten könnte. „Das ist zu kurzfristig gedacht. Wir haben errechnet, dass jede Million Kreditaufnahme durch die große Zinslast den Abbau von jeweils zwei weiteren Arbeitsplätzen zur Folge haben müsste.”

Bittere Resultate

Die Resultate des Wochenendes sind bitter: Die acht Regionalstellen werden zum Jahresende in ihrer Struktur aufgelöst - 4,1 Millionen Euro weniger sollen dadurch im nächsten Haushalt verbucht werden. Alle anderen Ebenen werden zumindest kräftig zur Ader gelassen - auch das Generalvikariat muss ab 2007 mit zwei Millionen Euro weniger auskommen. Neben Gemeinden (minus 18,1 Millionen; Investitionszuschüsse: minus 7,1 Millionen bis 2007), Kindergärten (minus 6,1 Millionen) und Schulen (minus 1,9 Millionen bis 2008) trifft die Streichliste auch die übrigen Bildungseinrichtungen: Die Zuschüsse werden von jetzt 6,1 Millionen um 1,1 Millionen im Jahr 2008 gekürzt.

2005 gibt das Bistum die Trägerschaft des Hauses in Borschemich ab; Maria Rast, Haus Eich, August-Pieper-Haus, Priesterseminar, Generalvikariat und Domsingschule sollen eine kostengünstige Zentralkantine bekommen. Die Zuschüsse für den Diözesancaritasverband schrumpfen von 14,9 Millionen Euro auf 12,1 Millionen Euro im Jahr 2008. Aber: „Der Konsolidierungsplan wird den Charakter einer dynamischen Fortschreibung erhalten”, heißt es im letzten Satz des Papiers. Will sagen: Er kann noch verschärft werden.