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Aachen: Bischof kritisiert Amtsvorgänger

Aachen : Bischof kritisiert Amtsvorgänger

Das finanzielle Debakel der Aachener Diözese ist nach Einschätzung des Bischofs auch den Amtsvorgängern an der Bistumsspitze zuzuschreiben.

„Als der Generalvikar im Jahr 1997 ins Amt kam, hatte das Bistum eine intensive Wachstumsphase hinter sich, insbesondere was den Personalzuwachs angeht. Jede Personaleinstellung bedeutete eine langfristige Verpflichtung, die das Bistum damals - also vor zehn und 15 Jahren - guten Gewissens nicht hätte eingehen dürfen”, sagte Bischof Heinrich Mussinghoff am Dienstag in Aachen.

„Während andere Bistümer in den 70er, 80er und 90er Jahren nur behutsam neue Einrichtungen aufgebaut und Personal eingestellt haben, wurden im Bistum Aachen Regionalstellen gegründet und personell immer großzügiger ausgestattet, wurden Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen aufgebaut, soziale Dienste auch außerhalb der Caritas eingerichtet.” Als die Kirchensteuereinnahmen einbrachen, sei „zu lange diskutiert und zu langsam gehandelt” worden.

Nur Wenige wollen freiwillig ihren Teil beitragen

Bei einem Medienempfang im Aachener Priesterhaus Maria Rast verteidigte Mussinghoff das aktuelle Konsolidierungskonzept, mit dem bis 2008 rund 65 Millionen Euro eingespart und mindestens 370 Stellen abgebaut werden sollen. Ausdrücklich stärkte er Generalvikar Manfred von Holtum den Rücken, der schon zum Amtsantritt mit einem Budgetdefizit von 64 Millionen Mark ringen musste: „Er hat damals die Notbremse gezogen und innerhalb von anderthalb Jahren dafür gesorgt, dass wir einen ausgeglichenen Haushalt verabschieden konnten. Ich schätze das umso mehr, als der Generalvikar damals ein einsamer Rufer in der Wüste war”, erklärte der Bischof. „Es gab damals nur wenige, die erkannt haben, dass wir uns finanziell und auch personell kleiner setzen mussten - und die bereit waren, den Generalvikar zu unterstützen.”

Deswegen vertraue er von Holtum auch jetzt bei der „schwierigsten Aufgabe, die es derzeit im Bistum gibt”. Mussinghoff beklagte, dass man nunmehr Veränderungen durchleide, die „so schnell und tiefgreifend sein werden, wie es die deutsche Kirche seit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht erlebt hat”. Dieser Einschätzung hätten zwar viele zugestimmt, „aber nur wenige sagen, dass sie freiwillig ihren Teil dazu beitragen; dass sie vom Bisherigen abgeben”.

Generalvikar von Holtum erläuterte erneut, dass die extreme Reduzierung von kirchlichen Aufgaben und Personal unumgänglich sei. Auch er sieht gravierende Fehlentscheidungen der früheren Bistumsleitung: „Dadurch bekam Aachen die meisten hauptberuflichen Mitarbeiter in der Bundesrepublik - gerechnet auf die Anzahl der Katholiken.”