1. Kultur

Aachen: Bewundernswert reif

Aachen : Bewundernswert reif

Im Ballsaal des alten Kurhauses, der für zwei Konzerte als Ausweichquartier der Kammermusikreihe Quintessence diente, wurde der Sauerstoff knapp.

Der Auftritt des Atos-Trios beim Preisträgerkonzert des Deutschen Musikwettbewerbs entschädigte jedoch im Verlauf des überlangen Abends für die Unbillen eines engen und bis auf den letzten Platz besetzten Saal.

Thomas Hoppe, Klavier, Annette von Hehn, Violine, und Stefan Heinemeyer, Violoncello, sind als Einzelspieler bereits gestandene Musiker, als kammermusikalische Formation aber noch recht jung. Erst 2003 wurde das Atos-Trio gegründet und hat seitdem einige bedeutende Preise eingeheimst.

In ihrem Aachener Konzert spielten sie drei ausgewachsene Klaviertrios, im zweiten Teil gar das längste überhaupt: Franz Schuberts Es-Dur-Trio op. 100, ein Gigant der Literatur sowohl im Hinblick auf Dauer wie auf Inhalt.

Welcher Hörer wäre wohl nicht zutiefst berührt vom abgrundtief traurigen Thema des langsamen Satzes, das im Finale noch mehrere Male zitiert wird. Bewundernswert die gestalterische Reife der drei jungen Musiker, deren Musizierstil gekennzeichet ist durch überlegene Spieltechnik, Präzision des Zusammenspiels, künstlerische Gleichwertigkeit der drei Partner, Unmittelbarkeit des Ausdrucks und anspringende Musizierlaune.

Intonationssicherheit und Tonschönheit der Streicher, brillante Technik und tonliche Anpassungsfähigkeit des Pianisten sowie eine blendend ausgehörte Balance des Klangbildes vervollständigen die positive Bilanz, die das Atos-Trio weit über den Status eines Nachwuchsensembles hinaushebt.

Ähnlich überzeugend gelangen im ersten Teil Beethovens frühes Trio G-Dur op. 1 Nr. 2 und Johannes Brahmsâ Trio Nr. 2 C-Dur. Für die Zugabe griffen die drei tief in die Schmonzettenkiste eines Fritz Kreisler und bewiesen, dass musikalisches Augenzwinkern durchaus zu ihrem Repertoire gehört.