Jüchen/Düsseldorf: Beuys trifft Barock: Bedeutende Sammlung auf rheinischem Schloss

Jüchen/Düsseldorf: Beuys trifft Barock: Bedeutende Sammlung auf rheinischem Schloss

Die drei wichtigsten Kunstmuseen Nordrhein-Westfalens in Köln, Düsseldorf und Münster haben sich vor Jahren erfolglos um den Ankauf bemüht: Nun gastiert die heiß umworbene Kölner Kunstsammlung Speck auf einem rheinischen Wasserschloss.

Bis zum 31. Oktober sind 90 Arbeiten von zwölf Gegenwarts-Künstlern als Querschnitt durch die Kollektion des Kölner Arztes und anerkannten Proust-Kenners Reiner Speck auf dem rheinischen Schloss Dyck bei Jüchen zu sehen.

Die vier Viehof-Brüder, einstige Besitzer der Handelskette „Allkauf”, hatten die riesige Sammlung vor einem Jahr erworben und stellen sie jetzt als eine der bedeutendsten deutschen Kollektionen jüngerer Kunst unter dem Titel „Vermählung auf Schloss Dyck” der Öffentlichkeit vor.

„Trauzeuge” für die Präsentation der Werke von Carl Andre, Joseph Beuys, Dan Flavin, Martin Kippenberger, Sigmar Polke oder Rosemarie Trockel war die rheinische Sammler-Kooperation „Rheingold”, der auch die vier Viehof- Brüder aus Mönchengladbach angehören und die als Leihgeber eng mit den Museen im Lande zusammenarbeitet.

Schon unmittelbar nach dem kulturpolitisch viel beachteten millionenschweren Kunst-Deal, in dem konkrete Euro-Zahlen für die mehreren hundert Kunstwerke nie genannt worden sind, wurden die Kunstfreunde beruhigt: Die Werke sollen auch nach der Erstpräsentation auf dem Schloss anderen Kunsthäusern der Region als Leihgaben zur Verfügung stehen.

„Geleitet von Vernunft und Tradition ist es gelungen, etwas Großes zu erhalten”, freut sich Speck (66), der die Sammlung im Lauf von vier Jahrzehnten zusammengetragen hat.

Frisch und frech wirken die Arbeiten gerade im behäbig-barocken Ambiente des ländlichen Wasserschlosses: Georg Herolds „Mountains of Cocaine” (1990) aus Styropor und Backpulver wirken unter bravem Ahnenporträt wirklich wie eine bewusstseinserweiternde Droge.

Rosemarie Trockels sprödes „feministisches” Arrangement aus drei schwarzen Besen provoziert nebenan über opulentem Marmorkamin.

Die Schraffuren in Günter Förgs abstrakten Großformaten nehmen - vielleicht unbewusst ironisch - im milden rot-grünen Lichtschein von Dan Flavins Neonröhren (1968) die „Ästhetik” der Vorhänge im Schloss- Festsaal auf.

Die Filzlatschen, die zu den bekanntesten Beuys-Werken („Dürer, ich führe persönlich Baader + Meinhof durch die Dokumenta V”) von 1972 gehören, haben auf noblem Schloss-Parkett plötzlich eine ganz eigene Aussage.

Zudem gehören die beuysschen Schrifttafeln zu der überraschend großen Zahl von „Sprach- Kunstwerken”, die der Literaturkenner und Mediziner Speck mit besonderer Liebe zusammengetragen hat.

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