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Eschweiler: „Bettmän” Kalle Pohl scheut keinen Kaulauer

Eschweiler : „Bettmän” Kalle Pohl scheut keinen Kaulauer

In der wöchentlichen Unterhaltungssendung „Sieben Tage, sieben Köpfe” mimt er den Zwergenkönig der Kalauer. Dass er auch zu tiefgründigem Humor neigen kann, vermuten die wenigsten.

Kalle Pohl präsentierte im Eschweiler Kulturzentrum als Vorpremiere sein neues Programm „Bettmän”, mit dem er eine willkommene Abwechslung aus dem Fernsehalltag sucht.

Dieser Weg aus der weichgespülten TV-Landschaft, die er selbst kritisch beäugt, entpuppt sich in seinem zweistündigen Programm als ausgesprochen gelungen.

Natürlich trifft man auf alte Bekannte in Pohls Rückkehr auf die Kabarettbühne nach über drei Jahren.

Vetter Hein Spack ertönt aus dem Wecker, scheitert beim Versuch, eine schmeichelnde Hochzeitsrede zu halten, und beschimpft schließlich die Stewardess als „Düsentussi” und „Saftschubbse”.

Auch Tante Mimi taucht auf und berichtet über drei verstorbenen Ex-Männer, die ihr immerhin sieben Lebensversicherungen und drei Eigentumswohnungen hinterließen.

Das Bett, das die Bühne ziert, spielt nur selten eine zentrale Rolle. Vielmehr ist es der „Leim”, der die vielseitige Kabarettcollage Kalle Pohls zusammenhält.

Der 52-Jährige scheut keinen Kalauer, präsentiert sich als köstlicher Chanson-Sänger und Imitator von Dieter Bohlen. Natürlich be-kommt die derzeitige Ikone im „Kakerlaken-Fernsehen” ihr Fett weg.

Da mutiert der Musikproduzent und Frauenheld Bohlen zum biederen Ehegatten, der sich auf dem Sofa darüber beschwert, dass seine Estefania während eines Telefongesprächs saugt.

Im Gegensatz zu seinen Kollegen zieht es Kalle Pohl nicht in die großen und profitableren Hallen, nachdem er im Fernsehen einem Millionenpublikum bekannt wurde: „Ich brauche diese Nähe zum Publikum.”

Die Fans in Eschweiler dankten es ihm mit langem Applaus. Dass Pohl zwischendurch einen Blick auf seinen Spickzettel werfen muss, hat an diesem Abend sogar etwas Charmantes. Schließlich nutzt der vielseitige Künstler die Auftritt in Eschweiler als Testlauf. „Mein Programm entwickelt sich noch bis zur Premiere im April in Berlin”, gesteht er.

Ihren Platz im Programm sicher haben die beiden Höhepunkte des Abends: die nächtliche Märchenstunde mit der sadistischen Großmutter, die allzu plastisch darstellt, wie sich Rumpelstilzchen in zwei Teile reißt, und die Uraufführung der ersten pornografischen Oper „Die Ledermaus”, in der Pohl gekonnt ein schlüpfriges Thema in eine Persiflage packt, ohne abzugleiten. Lohnenswert.