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Eupen: Belgische Hawaii-Girls und Helden-Finale

Eupen : Belgische Hawaii-Girls und Helden-Finale

Das beschauliche ostbelgische Eupen hat erneut die Bewährungsprobe als „Musikhauptstadt” für ein sommerliches Wochenende bestanden. 42 Konzerte auf neun Bühnen an zwei Tagen - das ist schon eine Meisterleistung, die erneut dem „Marathon-Management” Chudoscnik Sunergia zu verdanken ist.

Es war übrigens das erste Mal, dass man gleich an zwei Tagen Top Acts und Talente vorstellte. Nachdem der hochkarätige Samstag Stars wie den höchst sensiblen Briten Joe Jackson („Is She Really Going Out With Him?”) und den New Yorker Blues Gitarristen Popa Chubby zu bieten hatte, bei Balkan Beat Box im wahrsten Sinne des Wortes die Post abging, durfte man sich am Sonntag beim Eupener Musik Marathon über die temperamentvolle HipHop- und Reggae-Band Culcha Candela freuen.

Wer sie versäumt hatte, weil man schließlich nicht an jeder der zahlreichen Bühnen gleichzeitig sein konnte, der musste sich eigentlich nicht grämen. Denn zur gleichen Zeit wartete das Henri Texier Strada Sextet im Hof der Deutschsprachigen Regierung mit einer Jazz-Darbietung vom Feinsten auf.

Furioser Henri Texier

Nicht nur, dass die hervorragenden Künstler ein „Geheimtipp” von Sunergia-Pressesprecher Andy Kockartz waren, nein, das Sextett mit der Kontrabass-Ikone Henri Texier ist wirklich eine Offenbarung. Seit vierzig Jahren lässt der französische Musiker und Komponist europäische und afrikanische Einflüsse auf seinen Jazz-Stil einwirken. Damit hat er eine besondere Klangfärbung erreicht, die ihn von anderen seines Genres deutlich unterscheidet. Texier gilt als einer der einflussreichsten Musiker seiner Zunft in Europa.

Ebenso furios wie virtuos bahnt sich die Strahlkraft der Künstler ihren Weg - ein Erlebnis auch Henri Texier selbst, über seinem wuchtigen Instrument hängend, als wollte er am liebsten ins Innere gelangen, und die Möglichkeiten, die es ihm bietet, noch besser ausloten.

Dabei bringt er nahezu unglaubliche Töne hervor, ein Phänomen in der Musikszene. Alt- und Baritonsaxofon, Posaune, Schlagzeug und Gitarre rund ums Epizentrum Kontrabass - unvergesslich dieses nahezu magische und sicherlich sehr ungewöhnliche Zusammentreffen von Können, Kreativität und körperlicher Verausgabung. Das Publikum wußte es zu schätzen. Mit Jubel und Beifallstürmen belohnte es die Marathon-Teilnehmer.

Erstaunlich vielseitig präsentierte sich auch das Jugendprogramm auf der Kinderbühne, unter anderem mit spezieller Rockmusik für Kinder oder dem Animationsprogramm „Peter Pan”. Hier stand der Liedermacher Rainer Wenzel mit seiner frischen Musik und pfiffigen Liedern für junge Leute auf dem Programm.

Der Jugenddienst der Christlichen Krankenkasse nutzte den Musik Marathon zu nützlichen Informationen, und das Jugendensemble der Harmonie Eupen hatte gleichfalls die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen.

Wen es aus der warmen Sonne dann doch einmal in kühle Kirchen zog, konnte zum Beispiel auch geistliche Musik aus der Region genießen - unter anderem in der St. Nikolauskirche.

Insgesamt: Stimmung und Wetter waren heiter, die klangerfüllten Plätze und Straßen wirkten wie eine Kontaktbörse - das kleine beschauliche Eupen hatte ein ganz besonderes Flair.

Die schwedische Indierock-Band Mando Diao zog mit ihren knarzenden Gitarren junges Publikum an, ebenso wie die belgische Pop-Gruppe Girls in Hawai mit ihrem brustkorbwummerndem „Plan your Escape”. Überall gab es „was auf die Ohren”, für jeden Geschmack war etwas dabei, auch auf den unzähligen kleineren Bühnen.

Andy Kockartz zog ein positives Fazit, obwohl die Besucherzahlen nicht ganz den Erwartungen entsprachen, „vielleicht auch wegen des Ferienbeginns”, wie Kockartz vermutete.

2007 mit nur einem Tag waren es etwa 10.000 Menschen, jetzt an zwei Tagen bewegt sich die Besucherzahl leicht nach unten. Der erfahrene Pressesprecher und „Kommunikator” tröstete sich mit dem „wunderbaren Konzert” von Wir sind Helden, das einen glänzenden Abschluss nach dem EM-Finale (auf Großleinwand übertragen) bot.

Trotz der deutschen Niederlage wurde kräftig mitgesungen und getanzt, kein Wunder bei Liedern wie „Wir sind gekommen um zu bleiben” oder „Denk mal” - mit einer starken, um drei Bläser vergrößerten Band.

Ein „heldenhaftes” Finale für ein „tolles Begegnungsfest” (Kockartz) auf dem Eupener Werthplatz.