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Aachen: Belebte Geschichte zum Anfassen

Aachen : Belebte Geschichte zum Anfassen

Meist ruhen die Kostbarkeiten hinter verschlossenen Türen. Aber der Tag des offenen Denkmals bietet die Chance: Am Sonntag, 8. September, sind unter dem Motto „Ein Denkmal steht selten allein - Straßen, Plätze, Ensembles” allein in Aachen nahezu 50 sonst unzugängliche Bauten zu besichtigen.

Und die zentrale bundesweite Eröffnung wird diesmal ebenfalls in der Kaiserstadt gefeiert.
Geschichte zum Anfassen und spannende Reisen in die Vergangenheit locken jährlich bis zu 3,5 Millionen Menschen in ganz Deutschland zum Tag des offenen Denkmals.

In Aachen wird der Andrang an diesem Septembersonntag wahrscheinlich noch ein bisschen stärker sein als in den erfolgreichen Vorjahren. Nicht nur weil zeitgleich die Kunsthandwerker aus ganz Europa rund um Dom und Rathaus ihre Waren feilbieten.

Denn zum zehnten Jubiläum des Denkmal-Tags wurde die Kaiserstadt im Dreiländereck für die zentralen bundesweiten Eröffnungs-Feierlichkeiten ausgewählt.

„Wir sind stolz darauf, dass die Eröffnung nach Aachen gelegt wurde. Das zeichnet unsere Arbeit aus und zeigt die Einbindung der Stadt in die europäische Kulturgeschichte”, freute sich Oberbürgermeister Jürgen Linden.

Der seit 1993 stattfindende Tag des offenen Denkmals stellt den deutschen Beitrag zu den „European Heritage Days” unter Schirmherrschaft des Europarats dar.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz habe Aachen mit Hinweis auf seine geschichtliche Bedeutung gewürdigt: „Es wird gelobt, dass wir vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg Bausubstanz in vorbildlicher Weise erhalten haben und auf die Zukunft vorbereiten”, zitierte Linden die Begründung.

Auf die architektonischen Schätze der Domstadt verwies Wilfried Jocham, Leiter der Abteilung Denkmalschutz im Planungsamt der Stadt Aachen: „Die Stadt selbst ist ein begehbares Denkmal.”

Trotz der Kriegsschäden sei Aachen in der glücklichen Lage, ein vielfältiges Spektrum erhaltener Kulturdenkmäler zu bieten: vom karolingischen Oktogon des Doms aus dem 8. Jahrhundert bis zu modernen Gebäuden wie dem „potentiellen Denkmal” des Universitäts-Klinikums.

Neben Stadtbefestigungsanlagen des Mittalters, Kirchen und Klöstern, Hofanlagen und Herrenhäusern sowie Gewerbeanlagen sind überdies Wohnhäuser zu besichtigen. Denn: „Es sind auch belebte Denkmäler”, betonte Jocham.

„Bürger haben sie restauriert und fühlen sich in ihnen wohl.” So sind also nicht nur steinerne Zeugen der Geschichte zu bewundern, sondern ebenfalls ihre Besitzer bei Führungen zu befragen.

Neben der Vielzahl engagierter Bürger und Vereine beteiligen sich bereits am 6. September zudem Architekten, Denkmalpfleger und weitere Fachleute der RWTH mit Vorträgen und Diskussionen. „Wir versuchen, Investoren zu begeistern, den Wert von Denkmälern zu erkennen”, sieht Baudezernent Lars Möller auch die wirtschaftliche Seite der Denkmalpflege.

Die Begeisterung trübte jedoch ein dicker Wermutstropfen. Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte für dieses Jahr zwar eine Rekordbeteiligung vermelden: „In ganz Deutschland haben sich 6500 Denkmäler in 2500 Kommunen angemeldet.” Aber hinter der Zahl droht noch ein Fragezeichen.

Denn wegen der Flutkatastrophe sei es besonders in Sachsen fraglich, ob alle Objekte geöffnet werden könnten. Das diesjährige Motto „Ein Denkmal steht selten allein” erhält nun angesichts der verheerenden Überschwemmungen eine besondere Bedeutung: Der 8. September soll auch ein Tag der Solidarität mit den Hochwasseropfern werden.

Für die Wiederherstellung beschädigter Denkmale in den überfluteten Gebieten sammelt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz daher Spenden (weitere Infos: 0228/9573846 oder im Internet).

Festakt zur Eröffnung und umfangreiches Rahmen-Programm

Die zentrale Eröffnung zum „Tag des offenen Denkmals” am Sonntag, 8. September, um 10 Uhr im Quadrum des Aachener Doms ist öffentlich: NRW-Bauminister Michael Vesper gibt im feierlich-musikalischen Rahmen den offiziellen „Startschuss”.

Um 15 Uhr beginnen Festakt und Stifterehrung mit Ministerpräsident Wolfgang Clement im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Daran dürfen nur geladene Gäste und Bürger mit Zugangsberechtigung teilnehmen.

Diese „Eintrittskarten” sind ab Montag, 2. September, an der Pforte des Rathauses erhältlich. Eine Broschüre stellt die Aachener Denkmäler, Führungen, Vorträge, Ausstellungen und kulturellen Beiträge vor.

Sie liegt ab Ende nächster Woche im Rathaus, beim Bürgerservice am Katschhof, im Haus Löwenstein, beim Verkehrsverein, in den Museen, der Öffentlichen Bibliothek und bei der VHS. Infos im Internet.