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Würselen: Bei Helge Schneider wird fast immer gelacht

Würselen : Bei Helge Schneider wird fast immer gelacht

Erlaubt ist, was gefällt. Das war noch nie anders bei Helge Schneider. Von großartig bis grenzdebil ist alles drin, wenn das vielleicht vollkommenste Gesamtkunstwerk der deutschen Spaßlandschaft eine Bühne betritt. Wie jetzt in Würselen, bei zwei ausverkauften Abenden auf der Burg Wilhelmstein.

Auf hölzernen Krücken humpelt und hampelt Schneider zu Beginn vor seiner mittlerweile fünfköpfigen Begleitband herum. Dann wirft er die Gehhilfen mit breitem Grinsen beiseite. Die Menge lacht, applaudiert, johlt - und hört während der folgenden zwei Stunden kaum mehr auf damit. Denn Schneider steht längst im Generalverdacht, auf Schritt und Tritt witzig zu sein.

Dabei gibt es in der Show durchaus stille Momente. Darunter romantische Songs, die von versierten Musikern dargeboten werden. Doch sobald Helge ulkig mit den Armen schlackert oder neckisch den Kopf mit dem markanten Toupet verrenkt, kippt alles gleich wieder ins Alberne.

Am Klavier sitzt er übrigens nicht mehr selbst. „Da habe ich jetzt jemanden für. Ich muss meine Hände schonen - ich bin ja Pianist!” Viele Versatzstücke im Programm namens „Wullewupp Kartoffelsupp!” sind altbekannt. Teekoch Bodo Oesterling im quietschgelben Hemd etwa, der Schneider des öfteren ein dampfendes Tässchen anreicht. Oder Sergej Gleitmann, der Bart und Mähne beim Ausdruckstanz wild flattern lässt.

Es ist auch dieser Wiedererkennungswert, der einen Teil des Reizes von Helge Schneider ausmacht. Auf der anderen Seite steht seine Unberechenbarkeit. Denn einen roten Faden hat die Show nicht, dieser Faden ist der Künstler selbst, der fleißig improvisiert. Wenn er am alten Gemäuer entlangschlendert und „die ganz herrlichen Fugen hier auf der Burg Würstchen” lobt, wenn er über Vegetarier und „Faunarier” schwadroniert oder von seiner „Zeit in der Raumstation Mich. Oder Mir.” Gelacht wird heftig bei beinahe jedem Satz.

Musik gibt es auch. Die großen Hits. Von „Fitze Fatze” bis zum „Telefonmann”. Teils sogar auf Englisch, denn: „Ich finde, dass englische Lieder auf Englisch gesungen einfach besser klingen.” Clownerie, pure Albernheit und etliche Kalauer gehören zu dem Auftritt von Helge Schneider, der auch den eigenen Abtritt schon geplant hat. „Ich will auf dem Friedhof ganz vorne beerdigt werden. Damit keiner so weit laufen muss.”