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Köln: Begeisterter Applaus schon beim ersten Besenstrich

Köln : Begeisterter Applaus schon beim ersten Besenstrich

In der Philharmonie genießt „Stomp” inzwischen schon so eine Art Hausrecht. Schon zweimal war die rhythmische Revue hier im Rahmen des Sommerfestivals zu Gast.

Jetzt werden die Akteure der 1991 im englischen Brighton von Luke Cresswell und Steve MyNicholas kreierten Produktion begrüßt wie liebe alte Freunde.

Bei der Premiere wird schon der erste Besenstrich mit wildem Applaus begrüßt. Die Botschaft von „Stomp” ist ebenso simpel wie effektiv: Alles ist Rhythmus.

Ihn zu vermitteln, genügen ganz alltägliche Dingen: Besen, Kehrbleche und Streichholzschachteln, Mülleimer, Plastikrohre und Spachtel, Zeitungen, Plastiktüten und Suppenkellen. Virtuos, komisch und fantasievoll führen sechs Männer und vier Frauen vor, wie das geht.

Tolle Tonnen

Die Besen tupfen, klackern und federn, die Plastikrohre raunen, heulen und sausen, fünf metallene Spachtel, aufgereiht in einer Hand klingen wie ein Xylophon. Das Bühnenbild ist eine Kombination aus Straßencamp, Schrottplatz und die Rüstkammer für die Musikinstrumente des Alltäglichen: verbeulte Töpfe, Mülltonnen und ramponierte Radkappen.

Erlaubt ist alles, Hauptsache es ist aus Metall, man kann darauf trommeln, und es erzeugt dabei Töne. Rund 90 Minuten lang gelingt es den Männern und Frauen in farbbeklecksten, durchlöcherten Schlabberklamotten den Charme, den einst Charlie Chaplin als „Tramp” versprühte, mit ruppiger Rotzigkeit, immenser Spielfreude und perfektem Timing zu einem furiosen Klangtheater zu vereinen.

In Köln gibt es ein Wiedersehen und -hören mit alten Glanznummern wie den spritzigen Spülbecken, den Mülltonnenstelzen, die ihre Träger zu Titanen machen oder den Percussionisten, die hoch über der Bühne hin und her und schwingen wie die Klöppel eines gigantischen Läutwerks.

Das (in Köln) neue Stück „Basketball” vermittelt eine Ahnung davon, dass Sport in der Schule durchaus hätte Spass machen können, bei „Chairs” entwickeln metallene Klappstühle eine eigene Musikalität, und das Zusammenspiel mit Trinkwasserbehältern aus durchsichtigem Plastik erhöht den Reiz um eine artistische Variante: um den Behälter des Nachbarn bespielen zu können, muss das eigene „Instrument” für Sekundenbruchteile in der Luft schweben. Standing Ovations sind da schon obligatorisch.

„Stomp”: 30. Julis . bis 8. August, Kölner Philharmonie, Vorstellungen jeweils 20 Uhr (Di., Mi., Do. und So.), 21 Uhr (Fr.) sowie 16 Uhr (Sa.) und 15 Uhr (So.), Mo. spielfrei.

Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung. Info 0241/5101192 und 0241/5101175.