1. Kultur

Neujahrskonzert: Beethovens 9. Sinfonie trifft auf frische „Spiegelungen“

Neujahrskonzert : Beethovens 9. Sinfonie trifft auf frische „Spiegelungen“

Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie mit der Ode an die Freude ist spätestens seit den Zeiten von Marcus Bosch fester Bestandteil des Neujahrskonzertes des Aachener Sinfonieorchesters.

Aachens neuer GMD Christopher Ward stellte jetzt Beethovens Dauerbrenner dem Werk „Spiegelungen“ des 29-jährigen Komponisten Lars Opfermann als Uraufführung gegenüber.

Damit bleibt er seiner Linie treu, in dem neuen Programm „Generation XXi – Sprungbrett Aachen“ jungen Komponistinnen und Komponisten die Chance zu bieten, sich mit neuen Werken einem größeren Publikum zu präsentieren – und dem Publikum der Sinfoniekonzerte Einblicke in das zeitgenössische kompositorische Schaffen zu ermöglichen. Opfermanns „Spiegelungen“ entpuppen sich als ein bis auf den Schluss ruhiges, statisch wirkendes, mit kurzen Klangeruptionen durchsetztes Klanggebilde, das in seinem ruhigen Fluss immer wieder kleine Ansätze zu melodischen Motiven aufzeigt, die aber nur wie Assoziazionen wirken.

Ein farbig instrumentiertes, klang­lich schillerndes Stück Musik, das dem anwesenden Komponisten beim Publikum einen Achtungserfolg bescherte. Wards Interpretation von Beethovens 9. Sinfonie orientiert sich weitestgehend an den lange Zeit für unspielbar gehaltenen Metronomzahlen des Komponisten. Das sorgt für ein permanentes Vorwärtsdrängen in den drei schnellen Sätzen, im Falle des Scherzos für ein rasend schnelles Tempo. Ward stürzt sich mit Verve in das Brio dieser Musik, findet aber im langsamen Satz die nötige Ruhe zum Auskosten schöner Details.

Dass in der Akustik des Eurogress eine vernünftige Klangbalance zwischen den in reduzierter Besetzung spielenden Streichern und den Bläsern nicht zu erzielen ist, kann nicht dem Dirigenten angelastet werden. Das rasante Tempo des Scherzos forderte im Hinblick auf Präzision des Zusammenspiels und rhythmische Prägnanz ebenso seinen Tribut wie im Orchesterzwischenspiel im Finale, was aber die insgesamt brillante Leistung des Orchesters kaum schmälerte. Beethoven hat es in diesem Finale mit den Sängern nicht gut gemeint. Die Solistenparts sind denkbar undankbar und der Chor muss sich zu einem Kraftakt aufraffen. Die vier Solisten Irina Popova, Sopran, Judith Braun, Alt, Sung Min Song, Tenor, und Hrólfur Saemundsson, Bariton, lösten ihre Aufgaben zufriedenstellend. Die Chorgemeinschaft von Sinfonischem Chor und Opernchor Aachen gab präzise und stabil ihr Herzblut bei Beethoven-Schillers Appell an die Menschlichkeit. (Th.B.)