Homogene Leistung: Beeindruckende Soli und A-capellas beim „Chor+“-Konzert

Homogene Leistung : Beeindruckende Soli und A-capellas beim „Chor+“-Konzert

Seine Vorgängerin Elena ­Pierini hat schon einiges bewegt, um den von den früheren Generalmusikdirektoren Marcus Bosch und Kazem Abdullah etwas vernachlässigten „Sinfonischen Chor“ stärker ins Blickfeld des Aachener Musiklebens zu rücken.

Jori Klomp, der seit einem Jahr als Chorleiter agiert, greift diesen Impuls auf und das diesjährige Konzert „Chor+“ in der nahezu voll besetzten Kirche St. Nikolaus zeigt erste Früchte.

Die sympathischsten Früchte seines Einsatzes schenkte der „Kinder- und Jugendchor Theater Aachen“ mit einer rundum sauber intonierten und frischen Interpretation des dreiteiligen Zyklus‘ „What is Pink“ des Amerikaners Ned Roram dem Publikum. Schlichte Gesänge mit langen kantablen Melodiebögen, die die jungen Sänger bruchlos und mit beachtlicher Gesangskultur ausführten.

Dass Jori Klomp bereits mit Offenbachs Opéra Bouffe „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ als Kapellmeister im Theater Erfahrungen sammeln konnte, die er in der nächsten Saison noch vertiefen wird, kommt dem Umgang mit dem Orchester zugute. Das bewies Klomp mit einer klangschönen und erfreulich filigranen orchestralen Begleitung des „Requiems“ von John Rutter durch das Aachener Sinfonieorchester.

Volumen und Nachdruck

Wenn englische Chormusik im Zentrum eines Konzerts steht, darf Rutter natürlich nicht fehlen. Und Klomp griff mit dem „Requiem“ zu einem Schlüsselwerk des gebürtigen Londoners, das den Opernchor und den Sinfonischen Chor zu einer geschlossenen Leistung von großer Eindringlichkeit inspirierte. Das gut 40-minütige Werk steht trotz seines dunklen Auftakts in der Tradition der eher trostspendenden als trauernden Totenmessen von Brahms und vor allem Gabriel Fauré. Der lyrische Grundton des Werks erfordert klangliche Homogenität und eine ausgeprägte Legato-Kultur. Ansprüche, die die Aachener Chöre überzeugend erfüllen konnten. Gleichwohl fehlte es den relativ wenigen dramatischen Akzenten nicht an Volumen und Nachdruck.

Beeindruckend gelangen die Gesangs-Soli von Kim Savelsbergh und Corinna Heller sowie das schöne Oboen-Solo von Arnd Sartor. Dass manches bei Rutter etwas süßlich wirkt, trägt zu seiner Popularität bei und lässt sich angesichts der Gesamtleistung verschmerzen.

Flexibel und sicher

Die anspruchsvollsten Anforderungen an den Chor stellten die sechs „Choral Dances“ aus Benjamin Brittens „Gloriana“. A-cappella-Gesänge, die mit ihren harten dynamischen und stilistischen Wechseln ein hohes Maß an Flexibilität und Sicherheit erfordern, was den Profis des Opernchores ebenso wenige Schwierigkeiten bereitete wie die überwiegend verhaltenen, lyrisch gestimmten „Five Hebrew Love Songs“ des Amerikaners Eric Whitacre mit einem hörenswerten Solo der Sopranistin Monika Kettenis.

Viel Beifall für ein Chorkonzert, bei dem drei Chöre und das Sinfonieorchester durch eine homogene Gesamtleistung beeindruckten.

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