Aachen: Bartholdy Quintett brilliert beim Accordate-Konzert

Aachen : Bartholdy Quintett brilliert beim Accordate-Konzert

Wenn sich fünf gestandene und bereits arrivierte Musiker zu einer neuen kammermusikalischen Formation zusammenschließen, dann bekundet das zum einen eine hohe gegenseitige Wertschätzung, zum anderen die Erkenntnis eines Bedarfs für ein solches Ensemble.

Im Mendelssohn-Jahr 2009 fanden sich die Geiger Ulf Schneider und Anke Dill, die Bratscher Volker Jacobsen und Barbara Westphal und der Cellist Gustav Rivinius zu einer festen Streichquintett-Formation mit doppelter Bratschenbesetzung zum Bartholdy Quintett zusammen und kamen damit zu einer Besetzung, die auch auf internationaler Ebene eher selten ist. Welch exzellentes Niveau diese fünf Kammermusik-Erprobten und im Falle des Cellisten solistisch prominenten Musiker in ihrer Zusammenarbeit erreicht haben, das konnten sie jetzt in ihrem Konzert in der Accordate-Reihe im ausverkauften Krönungssaal des Aachener Rathauses unter Beweis stellen.

Das Programm mit Werken aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schwelgte in herbstlichen Farben. Das Streichquintett des bei der Komposition 25-jährigen Alexander von Zemlinsky beeindruckte den Kollegen Johannes Brahms über die Maßen. Leider haben sich nur die beiden Ecksätze des Werkes erhalten.

Schwelgerischer Stil

Deren schwelgerischer, sich an dem Vorbild Brahms orientierender Stil wurde durch das Bartholdy Quintett mit warmer und durch die Verdopplung der Bratschen dunkel timbrierter Tongebung in dermaßen idiomatischer Weise umgesetzt wurde, dass man das Fehlen der beiden Binnensätze bedauern musste. Stilistisch war der Weg zum ersten von zwei Streichquintetten von Johannes Brahms nicht sehr weit. Das in seiner stimmungsmäßigen Grundhaltung heitere und unbeschwerte Werk fand eine geradezu modellhafte, klanglich ausgewogene Wiedergabe durch fünf gleichwertige Musiker, tonlich sensibel aufeinander abgestimmt, sorgfältig phrasiert, dabei beseelt von einem musikantischen Impetus, der ansteckend wirkte.

Anton Bruckners einziges Kammermusikwerk, das Streichquintett F-Dur, gibt bei aller Originalität immer wieder Anlass zum Schmunzeln, überträgt doch Bruckner die Bausteine seiner monumentalen Sinfonien nahezu eins zu eins auf diese kammermusikalische Besetzung. Um so mehr konnte man die Wiedergabe durch das Bartholdy Quintett mit ihren weitgespannten Bögen, ihrer genauestens ausgehörten Dynamik und ihrer makellosen technischen Ausführung genießen, deren Ausgewogenheit zwischen emotionaler Intensität und kluger Disposition beeindruckte. Als Zugabe spielten die fünf Musiker das von Bruckner als Alternative zum Scherzo komponierte Intermezzo.

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