Aachen: Barthold Suermondt: Eine Ausstellung zu Ehren des Sammlers und Kunstmäzens

Aachen : Barthold Suermondt: Eine Ausstellung zu Ehren des Sammlers und Kunstmäzens

Er war der Peter Ludwig des 19. Jahrhunderts: Barthold Suermondt (1818—1887). Beide Namen sind verbunden mit einem der bedeutendsten Museen im Dreiländereck, wenn nicht einem der wichtigsten in Europa: dem Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen.

Aus Anlass des 200. Geburtstags würdigt das Haus den Sammler, Kenner und Mäzen Barthold Suermondt ab der nächsten Woche mit einer großen Ausstellung unter dem nicht ohne Humor formulierten Titel „Gestatten, Suermondt!“

◀ Er wird zu seinem 200. Geburtstag im Suermondt-Ludwig-Museum mit einer Ausstellung seiner Sammlung gewürdigt: Barthold Suermondt, hier 1850 porträtiert von Ludwig Knaus. Foto: Michael Jaspers

Vor drei Jahren hatte Peter van den Brink die Idee zu der Schau. „Zu dem Zeitpunkt wussten wir kaum etwas über den Mann“, erzählt der Museumsdirektor. Nur ein einziger Aufsatz von Herbert Lepper, dem ehemaligen Leiter des Aachener Stadtarchivs, existierte. Und der war Ende der 80er Jahre erschienen. Durch intensive Recherchen rundet sich mittlerweile das Bild dieses Industriellen und Stifters. „Ich wollte herausfinden, wie Barthold Suermondt tickte“, erklärte van den Brink, „welche Vorlieben er hatte, und nach welchen Gesichtspunkten er sammelte.“

G Das bedeutendste Werk der Ausstellung: Jan Gossarts (1478—1532) Gemälde „Bildnis eines Mannes“, entstanden um 1528/30, aus der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin — Preußischer Kulturbesitz. Wert: mindestens 20 Millionen Euro. Foto: Michael Jaspers

60 herausragende Gemälde, davon 35 aus der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, und 25 aus der hauseigenen Kollektion sowie 22 Handzeichnungen sollen ab dem kommenden Mittwoch, wenn um 16 Uhr die Eröffnung stattfindet, detailreich Auskunft geben über einen bekannten Aachener Bürger, der bislang kurioserweise weitgehend unbekannt geblieben ist.

▶ Auch eine Leihgabe aus Berlin: „Die Einnahme von Paris durch Heinrich IV.“, Ölskizze von Peter Paul Rubens (Herbst 1628 oder Frühjahr 1630). Foto: Michael Jaspers

Ein sagenhafter, 440 Seiten starker Katalog zur Ausstellung, die übrigens wieder einmal parallel zur bedeutendsten Kunstmesse der Welt — der Tefaf in Maastricht — stattfindet, beantwortet auch letzte Fragen. Dazu gehört unter anderem eine profunde Biografie des Aachener Kunsthistorikers Dirk Tölke sowie ein Aufsatz der Museumskustodin Dagmar Preising zum aufschlussreichen Thema „Von Schiffers-Krauthausen bis zu Peter und Irene Ludwig. Die Mäzene des Aachener Museums“. Im Gesamtverzeichnis werden darüber hinaus die Ankaufsgeschichte und der Verbleib der mehr als 600 Gemälde aufgearbeitet, die einstmals im Besitz des Sammlers waren. Eine kolossale Forschungsarbeit!

H „Käuzchen als Lockvogel“ von Frans Snyders mit Landschaft von Jan Wildens, entstanden um 1620. Foto: Michael Jaspers

Bedeutendster Kunstsammler

suermja18 28.02.2018 ausstellung suermondt. Foto: Michael Jaspers

Suermondt war Anfang 30, als er mit dem Aufbau einer Gemäldesammlung begann — darunter befand sich schnell die Crème de la Crème mit allen großen Namen, angefangen bei Rembrandt und Vermeer, Holbein, Hals und Rubens. Van den Brink: „Von 1857 bis 1873 war er der bedeutendste Kunstsammler mindestens in Deutschland, wenn nicht in Europa.“ Und ebenso wie Ludwig im 20. Jahrhundert beherrschte Suermondt den Kunstmarkt seiner Zeit und prägte nachhaltig die Museumslandschaft. „Man orientierte sich an ihm“, erklärt van den Brink. Letztlich war es Suermondt, der einen Maler wie Frans Hals zu dem machte, was er heute in der Kunstwelt ist. „Nachdem er ein Gemälde von Frans Hals gekauft hatte, explodierten die Preise.“ Während er 1856 noch 60 Taler für einen Hals bezahlte, kostete ein Gemälde elf Jahre später bereits 1600 und in den 70ern schon 4500 Gulden. Die Parallele ist verblüffend: „Man bedenke: Auch ohne Peter Ludwig hätte die Pop-Art heute nicht diese überragende Bedeutung.“ Wie sich Geschichte wiederholt...

In Berlin waren van den Brinks Kollegen jedenfalls begeistert von der Idee, Gemälde zusammenzuführen, die ursprünglich einmal zusammengehörten: der ehemalige Direktor der Gemäldesammlung Bernd Wolfgang Lindemann, sein Nachfolger Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Direktor der Gemäldesammlung und Skulpturensammlung, Kuratorin Katja Klei-nert und Restauratorin Babette Hartwieg, die das Projekt sehr spannend fanden.

Mit der Leidenschaft eines Schmetterlingsfängers ging Suermondt nach ersten Versuchen auf die Jagd nach künstlerischen Kostbarkeiten — in erster Qualität. Für Peter van den Brink hat sich nach seinen Studien und denen seines Teams Suermondt darüber hinaus als eine herausragende Persönlichkeit entpuppt: „Als ein Mann von Welt, cleverer Verhandlungsführer, Unternehmer, Bankier und baukundiger Akademiker. Und er war vor allem ein Ästhet und Kunstliebhaber, reiste viel, um die Kunstwerke im Original zu sehen.“

Am Adalbertsteinweg in Aachen besaß Suermondt ein Doppelhaus, das er zu einem Ausstellungsgebäude ausbaute: eine Galerie mit gläsernem Oberlicht zwischen den beiden Häusern. „Suermondt war ein ganz moderner Sammler“, erklärt van den Brink. „Bei ihm stand nicht die Investition im Vordergrund, sondern wirklich die Liebe zur Kunst.“ Zusammengetragen mit kunsthistorischem Sachverstand. Künstler wie Frans Hals und Jan Vermeer waren bis zu dieser Zeit selbst in den Niederlanden in Vergessenheit geraten. Suermondt zur Seite stand der französische Kunsttheoretiker Etienne-Joseph-Théophile Thoré, auch bekannt unter dem Namen W. Bürger und Thoré-Bürger, als sein wichtigster Berater.

Im Jahr 1854 erwarb Suermondt auf einer Versteigerung in Paris seine ersten beiden Bilder. Herausgefunden hat das der Aachener Museumsdirektor, nachdem er europaweit die Handexemplare der Versteigerungskataloge gesichtet hatte. Eine weitere, wenn nicht die wichtigste Quelle: die briefliche Korrespondenz.

Wichtige Info-Quellen

Aus ihr ging zum Beispiel hervor, welch wichtige Rolle für Suermondt ein zweiter Kunstberater spielte: der Experte und Museumsfachmann Wilhelm von Bode, als der längst noch nicht in Berlin Generaldirektor der Staatlichen Museum war. Nach dem Abitur in Braunschweig studierte er erst einmal Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen. Michael J. Ripbs, der eine Dissertation über Bode verfasst hat, war für die Aachener Museumsexperten in dieser Hinsicht eine verlässliche Quelle. 80 Briefe zwischen Bode und Suermondt sind belegt und wurden abgearbeitet. Zu den niederländischen Künstlern des 17. Jahrhunderts stießen unter anderem Jan van Goyen, Jacob van Ruisdael, Aert van der Neer, Jan Steen, Hercules Segers und Adriaen Brouwer zur Sammlung dazu.

Früh öffnete Suermondt seine Galerie für die Aachener Bürger, durch die Stiftung von Gemälden legte er den Grundstein für die Gründung des Suermondt-Museums, die 1883 durch die Stadt erfolgte. Seit 1901 hat das Museum seinen Stammplatz in der umgebauten Villa Cassalette an der Wilhelmstraße gefunden.

Eine allgemeine Wirtschaftskrise brachte eine entscheidende Wende in der Sammlungsgeschichte. 1874 sah sich Suermondt gezwungen, einen Teil seiner Kollektion an die Königlichen Museen zu Berlin zu verkaufen (heute: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz): 218 Gemälde und 435 Zeichnungen.

Viele dieser Stücke sind heute Glanzpunkte der Berliner Museen, darunter der „Singende Knabe mit Flöte“ von Frans Hals, das „Mädchen mit dem Perlenhalsband“ von Jan Vermeer, Rembrandts „Porträt eines alten Mannes“ und Jan van Eycks „Madonna in der Kirche“. Einen anderen Teil seiner Sammlung behielt Suermondt für sich zurück. Zwischen den Jahren 1882 und 1887 übergab er der Stadt Aachen in sechs Schenkungen insgesamt 173 Gemälde.

Die Ausstellung kommt vor allem auch durch die großzügige Unterstützung der Peter und Irene Ludwig Stiftung zustande, namentlich der Kuratoriumsleiterin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Vorstand Brigitte Franzen. Ebenso durch das Engagement der Sparkasse Aachen, der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung.

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