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Köln: Baron in der Bütt: Rossinis „La Cenerentola” karnevalistisch

Köln : Baron in der Bütt: Rossinis „La Cenerentola” karnevalistisch

Gioacchino Rossinis „La Cenerentola”, diese italienische Version des „Aschenbrödel”, die nunmehr im Kölner Opernhaus Premiere hatte, ist ein höchst doppelbödiges Stück.

Wie Mozart bei seinem „Don Giovanni” wählte Rossini die Typenbezeichnung „Dramma gioccose” und nicht „Opera buffa”.

Hinter allem heiteren Buffogeist, der das Stück mitprägt, steht die moralische Idee vom „Triumph der Güte”, die über Ichsucht und Eitelkeit siegt.

Hinzu kommen stimmliche Anforderungen an die Kehlkopf-Virtuosität, wie sie heute fast nur noch Weltstars der Koloraturkunst beherrschen.

Und die sind - bei allem Respekt vor der Kölner Oper - nicht unbedingt in der Domstadt versammelt. Geriet doch schon die Uraufführung der „Cenerentola”, 1817 in Rom, dank mangelnden sängerischen Niveaus zum Fiasko.

Offenbar dachte man in Köln: Wenn wir schon keine Bartoli und keinen Araiza haben, wenn also das Sänger-Darstellerische im Bereich des Nur-„Anständigen” verbleiben muss, so müssen wir halt das Heil in der Bühnen-Turbulenz suchen.

Und das tat Torsten Fischer, der Regisseur, so gründlich, dass aus dem „Dramma gioccoso” eine ironisch sein sollende Revue-Operette, aufgemotzt mit kreischenden Glamour-Girls, billigen Gags und grellem, die Augen schmerzen lassendem Licht-Spektakel á la Hollywood wurde.

In der Karnevals-Hochburg Köln kommt es an, wenn aus dem Baron Magnificio ein Karnevalspräsident in der Bütt, aus dem edelmütigen Fürsten von Salerno ein lächerlicher König von England - eingeführt mit „God save the King” - wird.

Für die Führung der Chorszenen genügt Ringelpiez mit Anfassen. So war es nur allzu bezeichnend, dass Szenenbeifall nur selten den Sängern galt, sondern meist dann aufrauschte, wenn lachend ein plätter Gag quittiert wurde.

Kein Wunder, dass Rossinis Musik in diesem Bühnenklamauk hoffnungslos unterging. Paula Rasmussen, die Titelheldin, ausgestattet mit schönem, tragfähigem Mezzo, suchte dem Koloratur-Ideal so nahe wie ihr möglich zu kommen, was übrigens für alle Hauptdarsteller galt, Ray M. Wade jr., den Fürsten, Scott Hendricks, den Dandini, den mit Engelsflügeln bestückten Alidoro von Samuel Youn und Egils Silins als Baron Magnificio.

Joslyn Rechter und Banu Böke als böse Schwestern suchten ihr Heil in Buffo-Drastik. Dass Enrico Davico dem Gürzenich-Orchester perlenden Sekt entlockt hätte, kann kaum gesagt werden. Und die virtuosen Ensembles hätte man sich stellenweise auch perfekter gewünscht.