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Aachen: Axel Hacke und das „Deutschlandalbum”

Aachen : Axel Hacke und das „Deutschlandalbum”

Ein Album über Deutschland hatte es werden sollen, das neue Buch von Axel Hacke (48). Geworden ist daraus ein Album über Deutsche.

Und zwar über solche, denen das Glück nicht immer hold war. Am kommenden Montag, 15. März, 20 Uhr, liest Axel Hacke aus seinem „Deutschlandalbum” in der Mayerschen Buchhandlung in Aachen. Was die Zuhörer dort erwartet, erläutert der Münchner Schriftsteller und Journalist im Interview.

Täuscht der Eindruck oder ist das „Deutschlandalbum” tatsächlich ein trauriges Buch?

Axel Hacke: Es ist ein Buch über menschliche Schicksale. Über die Schicksale einfacher Leute, die sich durchs Leben kämpfen müssen. Dabei haben sie es ganz sicher nicht immer leicht. Aber deswegen ist es kein trauriges Buch, sondern eher melancholisch. Es ist ein Buch des Mitfühlens mit diesen Leuten.

Selbst das Lachen, dem Sie eine eigene Geschichte widmen, wird mit urdeutscher Ernsthaftigkeit verfolgt. Können Deutsche nicht richtig glücklich sein?

Hacke: Das ist, glaube ich, etwas, was den Deutschen sehr eigen ist, diese schwierige Suche nach dem Glück. Es fällt den Deutschen offensichtlich nicht so leicht, das Glück zu finden.

Den Deutschen ist ja auch eine stetige Suche nach dem tieferen Sinn zu eigen und das spiegelt sich natürlich in den Figuren des Buches wider. Und in der Art wie ich sie beschreibe, findet sich viel über den Charakter des Autors. Denn das ist mir alles auch nicht fremd. Ich bin ja nicht a priori ein lustiger Mensch. Alles, was in meinem Leben heiter ist, muss ich mir auch erarbeiten, um nicht zu sagen erkämpfen.

Das verwundert zumindest den Leser, der Ihre Kolumnen im Magazin der Süddeutschen Zeitung kennt. „Das Beste aus meinem Leben” ist doch etwas Lustiges.

Hacke: Das ist natürich eine Kolumne voller Humor. Aber Humor ist für mich nicht Witze erzählen. Humor hat für mich immer etwas mit Trösten zu tun. Der muss dem Leben auch abgerungen sein. Nur dann tröstet er die Menschen wirklich, weil sie im Humor entdecken, dass es neben allem Schwierigen auch etwas Leichtes gibt, über das man auch Lachen kann. Darin muss der Humor wurzeln, sonst funktioniert er nicht gut.

Die Menschen erzählen in Ihrem Buch sehr offen über ihre mitunter schweren Schicksale. Konnten Sie diese Menschen trösten?

Hacke: Auf jeden Fall. Ich habe festgestellt, dass die meisten Leute ausgesprochen gerne aus ihrem Leben erzählen. Aber erst dann, wenn sie merken, dass da jemand ist, der sich wirklich für sie interessiert und bereit ist, ihnen lange zuzuhören. Wenn das so ist, dann erzählen sie gerne.

Und Erzählen hat immer etwas Tröstendes. Das ist doch ganz klar. Wenn man jemanden findet, der bereit ist, die eigene Geschichte, so schwer sie auch ist, wirklich mit einem zu teilen. Das ist doch das Tröstendste, was es im Leben überhaupt geben kann.

Viele Menschen in Ihrem Buch haben Trost ja auch bitter nötig. Mit Ausnahme vielleicht von Nick die Camillo, dem Pizzabäcker.

Hacke: Und das ist ausgerechnet ein Italiener. Das ist eben so. Im Ernst: Meine Leidenschaft sind die normalen Menschen. Und natürlich habe ich mir schwierige Geschichten gesucht. Von Leuten, die es nicht einfach hatten im Leben. Was soll ich über einen erzählen, der es immer leicht hatte im Leben? Viel interessanter sind für mich die Leute, denen es nicht immer gut gegangen ist und die trotzdem etwas daraus gemacht haben.

Zum Beispiel?

Hacke: Etwa die Geschichte von Helga, die nach einer geschiedenen Ehe plötzlich im Obdachlosen-Asyl landet. Und trotz widrigster Umstände hat sie etwas Respektables aus ihrem Leben gemacht.

Und das bewundere ich immer wieder bei ganz einfachen Leuten, die abseits des großen Theaters, das heute um so alberne Kerle wie diesen Küblböck gemacht wird, sich mit richtig schwierigen Problemen auseinandersetzen mussten. Obwohl sie nie ohne Führerschein Auto gefahren sind.

Also soll eine so schwierige Geschichte, wie die von Helga, Mut machen. Ihnen und den Lesern?

Hacke: Auf jeden Fall. Ich bin zwar auch einer, der gerne jammert. Aber wenn ich höre, womit sie zu kämpfen hatte, dann halte ich lieber die Klappe.

Was Sie aber sicher nicht bei der Lesung in Aachen machen werden. Wissen Sie schon, was Sie am kommenden Montag lesen werden?

Hacke: Nein, das entscheide ich nach Laune. Ich setze mich bei so einer Lesung vor die Leute hin und überlege mir erst dann, was ich lese. Auf dieser Reise, lese ich ja an jedem Abend und damit mir selbst nicht langweilig wird, lese ich immer etwas anderes.

Was erwartet denn dann diejenigen, die sich Ihre Lesung in Aachen anhören?

Hacke: Da kommt jemand, der interessante Geschichten über andere Deutsche erzählen kann. Da kommt einer, der seit vielen Jahren durch das Land gereist ist und über Leute schreibt wie Du und ich. Und über das Schicksal dieser Leute. Das ist immer interessant.

Axel Hacke startet seine Lesereise mit dem „Deutschlandalbum” ganz oben im Alphabet: in Aachen. Am Montag, 15. März, liest er ab 20 Uhr in der Mayerschen Buchhandung, Ursulinerstr. 1-7, aus seinem neuen Buch. Der Eintritt kostet 9 Euro (ermäßigt 8 Euro).

Das Buch ist erschienen im Kunstmannverlag, München. Die gebundene Ausgabe hat 240 Seiten und kostet 19,90 Euro.